Der Inselkönig von Nagarao

Island King, Rey de la Isla

Die Lebensgeschichte des Tierfängers, Abenteurers und Inselkönigs Martin Stummer

 

Martin Stummer
Email: martinstummer@yahoo.com
All rights (text & pictures) reserved: Martin Stummer

Die ursprüngliche Version dieser Webpage vom 9. Januar 2009 wurde inzwischen mehrmals aktualisiert, letztmalig am 20. November. 2014.


Martin Stummers Buch: "Das Vermächtnis des Inselkönigs" ist nun lieferbar (380 Seiten davon 55 Seiten mit Bildern; ISBN 978-3-7386-0813-7). Erhältlich im Buchhandel oder direkt bei mir, auf Wunsch auch signiert.

Inhalt: Die authentische Lebensgeschichte eines jungen deutschen Abenteurers, der Tierfänger im Amazonasdschungel von Ecuador wurde, dann aufregende Liebeserlebnisse bei Naturvölkern bestand, um später zum König der kleinen philippinischen Insel Nagarau gekrönt zu werden.

 

 

Foto: Links oben, als "King Martin I" auf seiner Insel Nagarao. Mitte: Martin an seinem liebsten Reiseziel, den "Inseln der freien Liebe" in der Südsee (Trobriand, Melanesien). Rechts: Einer seiner vielen Fernsehauftritte, diesmal bei der ARD (Pastor Fliege). Untere Reihe: Fast alle Zeitungen und Illustrierten berichten über den "König von Nagarao", so Stern 1989, Quick und dann erneut 1992 Stern unter dem Titel: "Robinsons Erben".

Ein kurzer Dokumentarfilm, hergestellt von "De Ponte Film" über "Martin Stummer - Beruf Abenteurer" beschäftigt sich ebenfalls mit Martins Leben und zeigt erstmalig, von Martin gedrehte, einzigartige Filmszenen vom Fang eines Wolltapirs.


Auch diese Webpage beschäftig sich, wie das oben erwähnte Buch, mit meinem Leben. Es ist die wahre Geschichte eines deutschen Jungen, der seine Kindheit im elterlichen Schloss Skalsko in Böhmen verbrachte. Nach der dramatischen und alptraumhaften Vertreibung fand er in Bayern seine nächste Bleibe. Schon als 18-jähriger Schüler bestieg er einen Berg im Himalaya. Mit 21 besuchte er Albert Schweitzer in Lambarene und dieser weihte ihn in sein philosophisches Konzept ein. Mit 24 Jahren wurde er aus Abenteuerlust Tierfänger am Amazonas und im Anden-Gebirge, belieferte Prof. Grzimek vom Zoo Frankfurt mit Tieren und trieb sich bei den Nachfahren von Kopfjägern und Kannibalen herum, um zuletzt auf einer kleinen Insel im Indo-Pazifik ein Naturparadies zu schaffen. Das zeigt, dass auch in der heutigen Zeit grosse Abenteuer nicht erfunden werden müssen. Teil der Lebensgeschichte sind seine intensiven philosophisch-politischen Reflexionen, sein Vermächtnis.

Mit den Medien hatte ich ursprünglich gar nichts im Sinn. Auch Tierfang und Belieferung von Zoos waren nur Themen für zoologische Fachzeitschriften. Erst als ich mit meiner neuen Idee, den expeditonsähnlichen Abenteuerreisen in Tausenden von Reisebüros präsent war und auf Reiseseiten und bunten Katalogtiteln mein Name und meine exotischen Fotos prangten, begannen die Printmedien, mich förmlich zu überlaufen. Es gab kaum eine Zeitung, die nicht über dieses neue Phänomen berichtete. Martin Stummer: Bei den Kopfjägern, Gänsehaut inklusive; Dieser Mann ist bei den Kopfjägern zu Hause; Herr Stummer kennt den Urwald wie seine Westentasche; Urlaub im Urwald machen; Pech nur wenn der Blindarm platzt; Martin Stummer bei Airtours, Neckermann, Terramar, ADAC-Reisen, Jetours... Nachfolgende Abbildungen zeigen in der oberen Reihe drei solcher Katalog-Titelseiten und in den Reihen darunter einige der unzähligen Pressemitteilungen. Auch Reiseschriftsteller berichteten in ihren Bücher über meine ungewöhnlichen Reisen und im Verlag Ullstein, (Ullstein Buch 36530, Reihe Populäre Kultur, ISBN 3 548 36530 2) erschien auf 42 Seiten eine Art bebildertes Interview über mich und meine abenteuerlichen Expeditionen (Autor Christian Rost). Im dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag (ISBN 3 423 03801 X) wurde mir im Buch "Abenteuerreisen" ebenfalls ein Kapitel gewidmet: Tropennächte im Dschungel am Äquator (Autor Peter Gerisch). Freunde wiesen mich auch auf eines der Bücher von Kenneth Good, einem meiner alten Freunde, hin. Er ist Völkerkundler und ich traf ihn bei meiner ersten Reise zu den Yanoami-Indios, die in einem damals noch kaum erforschten Urwaldgebiet von Venezuela leben. Im Kapitel "Sehnsucht nach Yarima" schreibt er über mich (Bastei-Lübbe Taschenbuch, Band 61902, ISBN 3 404 61902 1). Nicht vergessen will ich das Buch von Wolfram Hannig "Von Pol zu Pol", erschienen im Selbstverlag. Er beschreibt im Buch ausführlich seinen Besuch bei mir in Quito. Das war Ende der Sechziger Jahre, und ich war noch in jenem wilden aufregenden Lebensabschnitt des Fangs und Handels mit exotischen Tieren.

 

 

1950, Wie meine lebenslange Reise "zur Selbstfindung" begann

Der Korea-Krieg nahm seinen Anfang. Ich war 10 Jahre alt, und las täglich die Kriegsberichte und alles, was so auf dem Globus vorging. In der katholischen Konfessions-Grundschule widerte mich die religiöse Indoktrination an. Besonders ekelten mich das kannibalische obligate Fleisch und Blut-Runterwürgen unseres Herrn in Hostienform und die rassistischen Predigten unseres Schulpfarrers, eines ehemaligen Wehrmachts-Geistlichen. Ausgiebig wurde der Schmerzen der Dornenkrone unseres Herren gedacht, die Millionen KZ-Opfer und die Zig-Millionen Kriegstoten dagegen wurden kein einziges Mal im Unterricht erwähnt. Irgend etwas stimmte damals in unserem Werte-System nicht, Unmoral verdrängte die Moral, Lüge die Wahrheit. Ich wollte dem System entfliehen, war aber zu jung und wünschte nur noch, bald volljähriger Erwachsener zu sein, um mein eigenes Leben zu leben. Meine Wut auf die klerikalen Einpeitscher ließ ich an den Puppen meiner jüngeren Schwester aus: ich kreuzigte sie alle in unserem Holzschuppen vor den Augen einer ganzen Schar furchtbar kreischender achtjähriger Mädchen. Kein Erwachsener bemerkte, dass ich ganz anders als alle anderen Kinder war. Ich begann damals mit meiner jahrzehntelang währenden Reise zur Selbstfindung. Fahrradtouren waren in der ärmlichen Nachkriegsperiode das Geheimnis und brachten mich in den folgenden Jahren zur Schulferien-Zeit bis nach Griechenland. Mit 17 bereiste ich via Orient-Express und Bussen sogar Syrien und den Libanon.

1958, Triumph im Karakorum

Mit 18 Jahren: Bergsteigen im Himalaya in den Schulferien (Hunza/Karakorum/ Besteigung Gipfelgrat des Bilchar Dobani). Mein damaliger Wohnsitz war München. Auf diese "Ferienreise" nahm ich meinen besten Freund Peter mit. Denn allein, ohne Seil, hätte ich mich nicht in diese eisigen Höhen gewagt. Eissturz und Steinschlag sowie schnell wechselnde Wetterbedingungen stellten tödliche Bedrohungen dar, die wir glücklich meisterten. Hätte ich keine fotografischen Beweise, würde ich unweigerlich der Lüge bezichtigt werden, denn diese einzigartige Leistung erbrachten wir mit minimalem Reisekapital und ohne Hilfestellung erfahrener Himalaya-Experten. Die An- und Rückreise erfolgte via Balkan, Türkei, Persien /Iran und die pakistanische Provinz Belutschistan. Peter, wie viele meiner Bergsteigerfreunde, verunglückte später tödlich in den Alpen.

Foto: Martin im Himalaya (Karakorum), Gipfelsturm

1959, Abenteuerreise ins Herz von Afrika

Mit 19 Jahren: Ägypten, Sudan, Uganda/Ruwenzori- Mondgebirge, Ruanda, Kongo, Burundi und Kenia. Auch dieses Abenteuer bestand ich in den Sommerferien, allerdings nach dem Abitur. Südlich von Juba im Südsudan nahe der Grenze zu Uganda badete ich, dumm wie ich manchmal war, allein im Nil und beinahe hätten mich die Krokodile erwischt.

Fotos: links Besteigung Ruwenzori, Mitte Nilote Südsudan, rechts Tempel der Pharaonin Hatschepsut

1961, Albert Schweitzer, Lambarene, beeindruckt mich nachhaltig

Mit 21 Jahren bereiste ich in den Semesterferien Nigeria, besuchte König Akenzua II in Benin und bestieg den Kamerun Berg. Danach besuchte ich Dr. Albert Schweitzer in seinem Urwaldhospital in Gabun. Ich führte Gespräche mit Albert Schweitzer und er nahm sich Zeit, mir Wichtiges zu erklären. Ich bin von dieser Persönlichkeit nachhaltig beeindruckt.


Fotos von links nach rechts: Bronzefigur aus dem Palast des Königs von Benin, Urwaldhospital in Lambarene, Dr. Albert Schweitzer, Ogore-Flusshafen vor dem Hospital.

Auf der Rückreise stoppte ich kurz in Dahome und Togo, der Elfenbeinküste und im Senegal sowie weiteren Ländern. Dann, zurück in München, ging es mit dem Studium weiter, und 1962 legte ich erfolgreich das Vordiplom ab. Das wars schon mit dem Studium, ich wollte nicht mehr endlos in Univorlesungen rumsitzen, sondern mich ins volle Leben stürzen. Ich begann, für eine mehrjährige Weltreise fest zu sparen.

Horror-Visionen: In all den verflossenen Jahren wurde ich, wenn ich nicht verreist war, immer wieder von Horror-Visionen geplagt. Einmal erfasste mich sogar zwei Tage lang eine furchtbare Depression. Ich wollte diesem Universum entrinnen, wusste aber nicht wie. Die Vorstellung, als Erwachsener zwecks Broterwerb rund 50 Jahre lang als abhängiger Lohnempfänger in einer vielleicht sogar verhassten Tätigkeit ein Leben zu vergeuden, wurde mir unerträglich. Im "Kreischsaal" eines Krankenhauses geboren, durch Schulen gequält, dann immer nur Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, ein Leben lang zu schuften, um dann nach einer kurzen Gnadenfrist als Rentner wieder, diesmal meist in der Intensivstation eines Krankenhauses, sein Ende zu finden.....dazu war ich nicht bereit. Die permanenten einengenden Zwänge der Nachkriegs-Gesellschaft, in der Arbeit der scheinbar einzige Lebensinhalt war, Rentner noch eine geringe Lebenserwartung hatten, und der Traum von Reichtum und Macht nur ausnahmsweise in Erfüllung ging, mag meine Mitmenschen nicht verstört haben. Lieber tot, als so ein Leben, war meine Antwort auf solche Alpträume. Fort, nur fort aus der mir scheinbar vom Schicksal zugeteilten Welt, durch die schon in der Jugend der Moder der Gruft wehte. Wenn ich nicht in ein anderes Universum entrinnen konnte, dann musste ich eben dieses gründlichst erkunden um doch noch unentdeckte Paradiese zu finden. Im Unterschied zur Ansicht aller meiner Freunde, habe ich früh gelernt, das menschliche Leben als einen einzigen Alptraum zu definieren. Vom Babyalter an, so sehe ich das, verdrängt der Mensch ganz automatisch Real- und Ur-Ängste permanent ins Unterbewusstsein, andernfalls wäre er nicht überlebensfähig. Ich habe mit diesem Verdrängungsmechanismus meine Schwierigkeiten und in meiner persönlichen Suche nach Glück schwingt immer die Traurigkeit des Wissens um mein wahres Menschsein mit.

Die größten Geheimnisse und Rätsel unseres Seins beschäftigen mich unentweg mit großer Intensivität. Viele meiner Freunde glauben, mit dem Tod sei alles vorbei. Damit erübrigt sich weiteres Nachdenken. Einige klammern sich an religiöse Glaubensangebote diverser Religionen, die sie übernehmen und verzichten somit ebenfalls auf eigenständiges Philosophieren. Ich gehe diese fundamentalen Fragen mit praktischer Logik an. Der finale Tod unserer psychischen Existenz als abruptes Ende des menschlichen Lebens erscheint mir unlogisch. Sterben ohne zu begreifen, warum ich gelebt habe, erscheint mir ausgeschlossen, seidem dieses Begreifen stellt sich nach dem Tode in der nächsten Seinsebene ein. Die Frage, wie unsere psychische Lebenslinie nach dem Tod weitergeht, ob in unserem oder einem anderen Universum, in unserem vierdimensionalen (drei Dimensionen des Raumes plus die Dimension Zeit) Raumzeitkontinuum, oder in einer anderen Realitätsebene und Dimension, beherrschen mein Leben genauso wie Überlegungen zur Entstehung oder Singularität unseres Universums, der Willensfreiheit und Rolle des Gewissens sowie zu anderen Seinsfragen. Meine Logik sagt mir, dass es keinen freien Willen gibt, vielmehr eine Rückkoppelung zu einer höheren und komplexeren (parallelen) Realitätsebene. Deshalb bin ich auch ein Gegner von Strafen und erst recht der Todesstrafe, sondern für die Sicherheitsverwahrung in Lagern mit Arbeitspflichten.


1963, Abenteuer Latein-Amerika

Meine Weltreise, Ende offen, begann im Februar als Schiffsreise von Marseille aus in die Karibik (Martinique, Guadeloupe, Barbados, Trinidad, Venezuela, Curacao, Kolumbien). In Baranquilla, heuerte ich als Matrose auf einem Karibik-Trampschiff an. Die Crew, und somit auch ich, verbrachte mehr Zeit in diversen Hafenbordellen als auf See. Diese hartgesottenen Seeleute der alten Art trieben mich mit fast sadistischer Lust in die Arme der schärfsten Hafenbräute und zwangen mich, sexuelle Höchstleistungen zu erbringen. Schlimm trieben wir es in Puerto Limon, da 10 Tage Landaufenthalt, und in Jamaika, nur in Pensacola, Florida ging es sittsamer zu. In Campeche, Mexiko, heuerte ich erschöpft ab, und danach begann ich mit einer Land-Reise von Mexico, via Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama bis Bogota, Kolumbien. Nun folgte ein längerer Aufenthalt in den Llanos Orientales am Meta. Ich lebte auf einer entlegenen Vieh-Ranch, mit Ausritten und Jagdausflügen, war bei Kaiman-, Gürteltier und Wasserschwein(Kapibara)-Jagden dabei, fischte Piranias und erkundete Land und Leute dieser faszinierenden Region im Stromsystem des Orinoco.

Fotos: Links riesiger, von den Einheimischen erlegter Kaiman, rechts Aras, die von Siedlern zwecks Verzehr erschossen wurden.

1964, erster Weisser bei Amazonas-Indianern

Nach dem Orinoco-Abenteuer wollte ich das Amazonas-Gebiet erkunden. Flug nach Leticia am Amazonas-Fluss im Drei-Länder-Eck Kolumbien, Peru, Brasilien. Expedition zu einer damals noch nicht bekannten, völlig unberührten, tief im Urwald lebenden Untergruppe von Yagua-Indios. Nie vergesse ich diese spannenden Momente, als ich nach stundenlangem Marsch durch den dichten Urwald, endlich auf eine Lichtung stieß, wo dieser Erstkontakt mit einer exotischen Indiowelt begann. Ein Fest wurde gerade gefeiert und ich wurde staunend "inspiziert" und durfte teilnehmen. Es war alles wie ein schöner und sehr spannender Traum, ja wie eine Landung auf einem fernen Dschungelplaneten.

Nach Verhaftungen durch peruanisches Militär im Amazonas, und auf einer der nachfolgenden Reisen durch den kolumbianischen Geheimdienst ( D.A.S.) an der Grenze zu Venezuela, unfreiwillige Weiterreise (Behörden ordneten meine Ausweisung an) nach Ecuador. Besuch der Amazonas-Region "Oriente". Grund der Verhaftungen: Spionagehysterie; bei weissen Einzelreisenden in abgelegenen Grenzregionen vermutete man, sie seien CIA-Spione.

Foto: Yagua-Häuptling bei Blasrohrjagd.

1965, Entschluß Tierfänger zu werden

Entschliesse mich, Tierfänger und Tierlieferant exotischer Fauna zu werden. Gründung meiner Firma: "Amazonian Animals" mit Sitz in Quito, Ecuador mit Niederlassungen im Amazonas-Urwald. Erwerbe eine Urwaldfarm bei Tena. Lage am östlichen Rand der Anden, optimales Klima. Diese scheinbar ausgefallene Idee, Wildtierhandel zu betreiben, hatte ich, nachdem ich sah, wie die Indios Wildtiere, die sie lebend fangen konnten, in Gefangenschaft hielten, bei Bedarf schlachteten und aufassen. Diese armen Kreaturen wollte ich abkaufen und nach Europa an Zoos und Tierliebhaber versenden. Natürlich hatte ich keinerlei Fachkenntnisse und da brachte mich der Zufall in einem Urwalddorf mit zwei Weißen zusammen, die auf diesem Gebiet beste praktische Erkenntnisse hatten und mir den Weg zum Gelingen meiner Mission öffneten. Der erste Schritt zum Tierfänger war getan. Es folgte der schrittweise Aufbau meines Unternehmens aus kleinsten mühsamen Anfängen. Ich hatte sehr viel zu lernen, denn was ich in Angriff nahm, war eine hochkomplizierte Angelegenheit.

 

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Fotos, oben links: Martin auf einer Amazonas-Expedition. Rechts mit Flachlandtapir und Peccari in seiner Tierfangstation in Quito, Ecuador. Untere Reihe, links mit Wolltapir. Rechts mit Riesenschlange (Boa constrictor) in Quito, natürlich nach damaligem obligaten Hauptstadt-Dresscode gekleidet.

1968, Professor Grzimek und die wilden Tiere

Schaffe ein weltweites Netz von Abnehmern meiner meist bemerkenswerten Tiere. Ich beliefere Prof. Dr. Dr. Grzimek vom Zoo Frankfurt, Direktor Dr. Heinz-Georg Kloes vom Zoo Berlin, den Zoo von Los Angeles und viele weitere Zoos aber auch Tiergrosshandlungen weltweit. Begehrt sind Kolibris, Tangaren, Tukane, Felsenhähne, Papageien, selbst Kondor und Harpie-Affenadler, alle Affenarten und Säugetiere aus den Urwäldern der Küste, vom Amazonas, den Hochgebirgswäldern und dem Paramo. Gefragt sind auch Jaguar, Ozelot, Puma, Brillenbär, der extrem seltene Zwerghirsch Pudu Mephistophiles (nur 30 cm Schulterhöhe), sowie Anakondas, Boas etc. Den größten Erfolg hatte ich jedoch mit einem weiteren sehr seltenen Säugetier.

Als Erster und Einziger schaffte ich es, auf permanenter Basis die extrem seltenen Bergtapire (Tapirus pinchaque), auch als Woll- oder Andentapire bezeichnet, zu lokalisieren, sie zu fangen, erfolgreich für den Export zu akklimatisieren und lebend an grosse Übersee-Zoos per Flugzeug zu verschiffen. Prof. Grzimek war froh, eines der ersten Paare zu erhalten. Damit war mir eine zoologische Sensation gelungen. In meinem Zoo in Quito, war mein Outfit natürlich nicht der Dschungel Look, denn ich pendelte täglich, oft mehrmals, zwischen Zoo und Behörden sowie Banken zwecks Ausfuhrlizenzen etc. hin und her. Da war Krawatte angesagt und ein Bart verpönt. Also nur kein Che Guevara Typ. Die damalige Welt der Anden war stockkonservativ, nur in den tropischen Niederungen ging es lässig zu.

Foto: Wolltapir im Bergurwald in 3500 Metern Höhe, am Fuße des Antisana-Vulkans, Ostanden, Ecuador.

1969, Zoologische Weltsensationen: Wolltapire und Nord-Pudus sowie Überlistung des eisernen Vorhangs

Da selbst Zoos hinter dem eisernen Vorhang von mir Tiere importieren wollten, aber keine Devisen zur Bezahlung hatten, reiste ich extra von Ecuador über West-Berlin, ausgestattet mit speziellen Dokumenten, nach Ost-Berlin, um mit Direktor Seifert vom Zoo Leipzig einen Ost-West-Austausch, nicht von Agenten wie damals am Checkpoint Charlie, oder anderen dafür vorgesehenen Übergängen üblich, sondern von Wildtieren auszuhandeln. Wir trafen uns im Hotel „Unter den Linden“ zu einer „konspirativen“ Verhandlung und mir wurde gesagt, sehr leise zu sprechen, da alles von der Stasi verwanzt sei. Bestimmte Details mussten geheim bleiben, da sonst dieser Deal nicht geklappt hätte. Für ein Paar Wolltapire bekam ich vier reinrassige Sibirische Tiger (ein Männchen, drei Weibchen), die damals in West-Zoos gefragt waren. Diese lieferte ich an den Zoo Wilhelma in Stuttgart, der mich entsprechend bezahlte. Auch der Zoo in West- Berlin sollte nicht leer ausgehen. Ihm lieferte ich, allerdings erst 1972, die kleinsten Hirsche der Welt: Ein Paar Nord-Pudus (Pudu mephistophiles). Desweiteren schrieb ich eine wissenschaftliche Arbeit: „Wolltapire in Ecuador“, die Prof. Dr. H. Dathe vom Tierpark Berlin-Ost (DDR) mit großer Freude in der angesehenen Zeitschrift: „ Der Zoologische Garten“ veröffentlichte. Mit Prof. Bernhard Grzimek korrespondierte ich über die komplexe Welt von Tierfang, Tiertransport, Tierhaltung, Tierschutz, Kontroversen über schwarze Schafe in Tierschutzorganisationen wie dem IUCN/WWF, Fragen zur Situation von aufs Festland von Ecuador verschleppten Galapagos-Schildkröten und meinen Kampf für die Errichtung von Nationalparks (aber auch über die fast alltäglichen Details bezüglich neuer Fangaufträge und deren Abwicklung). In den nachfolgenden Dokumenten ist auch ein zweiseitiger Brief von Prof. Dr. Dr. Grzimek an mich (Datum 11.5.1970) enthalten. Desweiteren die Abbildung eines der beiden Nord-Pudus, die ich an Prof. Dr. Heinz-Georg Kloes vom Tiergarten West-Berlin geliefert habe. Dies wurde als eine zoologische Weltsensation gefeiert.



Foto: Nord-Pudu, Pudu mephistophiles, Lebensraum rund 4000 Meter Höhe, Ostanden, Ecuador.

Nachfolgend Fotos zum Thema Tapirus pinchaque, Wolltapir, auch Bergtapir und Andentapir genannt:
Aufbruch zum Fanggebiet mit Hochland-Indios, die Lassos und Hunde mitführen. Weg zu meinem Basislager und
Tapir-Fangcamp im undurchdringlichen Bergurwald auf der Amazonasseite der Ostanden. Fangmannschaft, Fang und Eingewöhnung. Transport nach Quito zu meiner Tierfarm. Unterste Reihe: Links: junges Wolltapir im Paramo der Hochanden. Mitte: weiterführende Eingewöhnung in Martins Zoo in Quito. Rechts: Transport per Flugzeug in einen überseeischen Zoo.

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1972, Zwischenstop München

Nach einem Militärputsch (im Februar stürzte der mir gut bekannte Oberst G. Rodriguez Lara den Präsidenten Jose Maria Velasco Ibarra und ernannte sich selbst zum Chef einer Militärjunta) verließ ich unter dramatischen Umstaenden Ecuador, da man mich verhaften wollte. Im Verliess einer Militärdiktatur, die auch weiß wie man mit Elektrofolterungen Häftlinge zermürbt, wollte ich nicht landen. Ich ließ mich wieder in München nieder, um meinen schon seit Jahren in Ecuador gehegten Plan, aus dem Tierhandel auszusteigen und mich der Abenteuer-Touristik zuzuwenden, in die Tat umzusetzen. Zu sehr hatte mich die grausame Art der Tierhaltung in Zoos deprimiert. Zoos sind Tiergefängnisse! Natürlich spielten und spielen Zoos eine wichtige Rolle beim Erhalt der Fauna, sie stärken bei den Besuchern die Verbundenheit mit Wildtieren und den Wunsch, diese und deren Lebensraum zu schützen. Tierpflegern und in Zoos tätigen Wissenschaftlern gebührt großer Dank. Ich liebe Wildtiere und wollte diese, trotz der wichtigen Rolle von Zoos, nicht weiter in Gefangenschaft leiden sehen. Denn als ich mit dem Tierhandel begann, erwarb ich vorwiegend die bereits von den Indios gefangenen und als lebende Fleischreserve gehaltenen Wildtiere und dachte, dass diese besser in Zoos und bei Tierliebhabern aufgehoben seien, als in Kochtöpfen zu schmoren.

Fotos: Affenschmaus nach Indianerart.

1974, Abenteuer-Tourismus, ZDF, ARD, BR, RTL...

Ich war nun endlich mit den Vorbereitungen fertig und konnte mit meinen Foto-Safaris und Expeditionen beginnen. Bald übernahmen namhafte Groß-Veranstalter meine Touren, die zu den ehemaligen Kopfjägern (Jivaro/Shuar), zu den so gefürchteten Auca (Huaorani), den Cofan, Cayapa (Chachi) und zu anderen Indio-Gruppen, sowie in entlegenste Winkel des Urwalds führten.

Fotos oben: Links Yanoami Frau und Mann aus Venezuela, Mitte Ashuar vom Rio Ishpingo, Ecuador mit Signaltrommel; Rechts Ashuar mit typischen Federschmuck, daneben Ashuar beim Chicha (Maniokbier) trinken. Mittlere Reihe: Yanoami beim Yopo-Genuss, mittlere Bilder: Curripaco-Indios am Rio Inirida, Kolumbien; Rechts: Auca (Huaorani), Ecuador. Unten: Balsaexpedition am Mangosizafluss Shuarregion, Ecuador, Martin mit Shuar-Indianerin, Shuar unter heiligem Wasserfall, Cofan-Häuptling Gregorio, mit Kette aus Jaguarzähnen, am Aguarico-Fluss, Ecuador, Colorado (Tsachila)-Indio, Ecuador.

Nach und nach kamen Touren, die von Ecuador via Peru bis Bolivien verliefen dazu, sowie Reiseziele in Kolumbien und Venezuela (Yanoami-Indios). Dann eine Philippinen-Expedition. Das Wort Expedition wählte ich, um Damen mit Stöckelschuhen und unsportliche Herren mit dicken Bierbäuchen (leider habe ich selbst zeitweise eine Wampe) abzuschrecken, da ich auf diesen teilweise extremen Touren nur "gestandene" Typen, beiderlei Geschlechts, mit Durchhaltevermögen dabei haben wollte. Meine Partner wie Airtours/TUI, die ADAC-Reise GmbH, die alte Terramar, NUR und andere Grosse der Branche trieben mich zur weiteren Expansion. Papua-Neuguinea, West-Irian, die Trobriand Inseln, Salomonen und Vanuatu kamen dazu. Ich konnte sogar noch auf ehemalige Kannibalen stoßen.

Fotos: Oben alter Ifugao, Mitte Bugnay-Mädchen aus Kalinga-Apayao, Mumie aus einer Höhle in Nord-Luzon; Rechts: Batac aus Palawan. Unten: Bontoc mit Gong, daran befestigt ist der menschliche Kiefer eines getöteten Feindes als Griff, Mitte: Batac; Rechts: Martin beim Kauen von Bethelnuss.

Bei der Philippinentour konzentrierte ich mich auf die kriegerischen Kalinga von Bugnay, die früher Kopfjaeger waren, jetzt aber einen Stammeskrieg gegen die Marcos-Diktatur begannen, weil dieser ihr Heimattal mit Hilfe eines gigantischen Staudammprojekts fluten wollte. Besonders mit den Häuptling Macling Dulag pflegte ich engen Kontakt. Auf der Insel Palawan waren die negriden Batac Ziel unzähliger Besuche. Sie lebten halbnomadisch in engen Urwaldtälern. Abschluss der Tour waren Bootsfahrten durch die Inselwelt der mittelphilippinischen Visayaregion, erst mit Ausganspunkt Ilo-ilo, später von meiner Insel Nagarao aus.

 

Fotos: Oben: Mädchen und alter Mann nahe Goroka, Hochland Papua-Neuguinea, Mitte: Kukukuku-Häuptling, daneben Kukukuku-Krieger mit steinzeitlicher Waffe; Rechts: einer der letzten Kannibalen aus der Bergregion westlich von Telefomin. Zweite Reihe: Geisterhaus von Kanduanam am Sepikfluss, Holzschnitzerei im Geisterhaus; Mitte: Dani aus dem Baliemtal, West-Irian; Rechts: Häuptlingsmumie, Steinzeitmensch mit Penisköcher. Dritte Reihe: Kukukuku zeigt Kettchen mit menschlichen Fingern, Kukukuku-Krieger auf Streifzug, Swagabs Insektenmenschen Sepikregion; Rechts: Dani unterwegs. Vierte Reihe: Dekorierter Ahnenschädel Sepik, Initiationszeremonie Sepik-Nebenfluss, Yale im Gebirge von West-Irian. Unterste Reihe, alles Sepikfluss: Heilige Flöten in Sio, schön geschmückt für zeremoniellen Tanz, Nashornkäfer-Mädchen von Sio, Martin unterwegs im Einbaum, Mädchen mit Kasuar-Federkielen als Ohrschmuck.

Höhepunkte waren die Besuche bei den Kukukuku im Hochland von Neuguinea, Zusammentreffen mit den Insekten-, Nashornkäfer- und Kasuarmenschen am Sepik und seinen Nebenflüssen, sowie mein Besuch bei ehemaligen Kannibalen westlich von Telefomin. Die Berichte dieser ehemaligen Kannibalen beeindruckten mich gehörig. Nicht weniger begeisterten mich Besuche bei einigen abgelegenen Papuagruppen am Oberlauf und Seitenarmen von April- Wogamus- und Mayriver, denn dort waren noch nie, oder so gut wie nie Weiße gesichtet worden. In West-Papua besuchte ich die Penisrohr tragenden Dani und Yale sowie die Asmatregion. Mit einmotorigen Kleinflugzeugen flog ich um die Eisgipfel des Maoke/Carstenszgebirges.

 

 

Fotos: Oben: Martin mit zwei reizenden Schönheiten dieser Inselgruppe in Melanesien, Südsee. Als "Inseln der freien Liebe" wurde dieses Paradies auch bekannt. Mitte: Trobriand-Insulaner. Unten: Sexbesessene Trobriand- Mädchen zur Zeit der orgiastischen Feste.

Auf den Trobriand Inseln, den "Inseln der freien Liebe", genoss ich die Südsee von einst. Ich fühlte mich an das Tahiti der ersten Besucher (Kapitän James Cook, Bounty Mutiny) erinnert. Schön war es, auf den kleinen künstlichen Inseln von Ost-Malaita, den Berg-Kwaio von Ngaringinanginangi und beim Haifischpriester Lofea. Bei meinen Besuchen der Kwaio stiess ich in einigen Dörfern auf völlig nackte Menschen. Erst war ich erschrocken, denn auf solche Begegnungen war ich nicht gefasst.

In Vanuatu bestieg ich auf der Insel Tanna den seit Jahrhunderten ununterbrochen tätigen Vulkan Yasur, auf der Insel Pentecost beobachtete ich das orginale Bugee-Turmspringen und auf der Insel Malekula wohnte ich beim Big Namba Häuptlig Virambat und dessen sieben Frauen.

Fotos: Oben: Malaita, Salomonen, Inselkönig mit Kapkap auf der Stirn, daneben seine Tochter, zeremonieller Tanz. Die Bilder rechts zeigen die noch völlig nackt lebenden Kwaio. Mitte: Haifischpriester Lofea, Ahnenschädel, Big Namba Häuptling Virambat mit Ehefrauen auf Malekula, Vanuatu und Feuertanz der Baining, Rabaul. Unten: Orginal Bungee-Turmspringen auf Pentecost; Rechts: Bewohner von Tanna vor riesigem Banyan-Baum, Vanuatu.

Auch das Fernsehen fand Interesse an meiner Reiseart. Im ZDF konnte man mich an einem Samstagabend 45 Minuten lang bewundern. Der Film hieß „Einmal Urwald und zurück“. Es folgten weitere, zwanzig oder mehr Sendungen und Talk Shows in ARD, ZDF, Bayerischem Fernsehen, RTL, usw. Nach und nach lösten sich die Bindungen zu diesen Veranstaltern und ich baute mein eigenes Vertriebsnetz auf. Ich veranstaltete nun diese Abenteuerreisen komplett in eigener Regie und nannte meine Firma:" Martin Stummer, Safaris und Expeditionen" oder „Stummer Touristik GmbH", oder einfach "Martin Stummer, Touristik". Und zuletzt „Nagarao Insel Reise GmbH“ bzw. „Nagarao Insel Reisen“. Rund 20 Jahre widmete ich mich dieser hochinteressanten aber stressigen Tätigkeit.

 


Fotos links: Martin und Shuar Narangare mit echtem menschlichen Schrumpfkopf/Tsantsa; Rechts: Dabo, der gefürchtete Huaorani-Töter

1978, Schrumpfköpfe, Piranias und blutiger Angriff der Vampir-Fledermäuse

Die „grüne Hölle“ wurde eine Art paradiesische Heimat für mich, und ich fühlte mich dort so wohl, wie in einem eigenen schönen hochsommerlichen Garten. Alles wurde mir mehr und mehr vertraut, ob ehemalige Kopfjäger oder exotisches Getier im Urwald. Was ich nicht mochte, waren die blutsaugenden Vampire (Desmodus rotundus), die sich gelegentlich in der Nacht an meinem und dem Blut meiner Expeditions-Teilnehmer unbemerkt labten. Was war das für ein blutiges Erwachen nach so einer Nacht der Vampir-Fledermäuse bei den Cofanindios. Eines erwischte ich, weil es, so vermute ich, zu viel Blut getankt hatte und nicht mehr „abheben“ konnte. Ein Indio spiesste den Vampir mit einer Lanze auf. Danach musste ich ein Jahr warten, denn so lange ist die maximale Inkubationszeit, falls die Fledermaus mit Tollwut infiziert war. Danach bestand keine Lebensgefahr mehr.


Weit überschätzt wird die Gefahr durch Piranias. Wir haben diese immer geangelt, weil sie in Sekundenschnelle beim Angeln zubissen und ausgezeichnet schmecken. Nur die vielen Gräten machte so ein Mahl mühsam.
Ich selbst habe nur einmal erlebt, dass ein Mensch verletzt wurde. Wir durchquerten einen seichten Fluss und meinem Begleiter wurde ein Stück Fleisch aus der Wade gerissen; dann gab es noch mal einen Fingerkuppenverlust beim Angeln. Weniger schön sah eine von Piranias angefressene Kapibara (auch als Wasserschwein bezeichnet) aus.

Fotos: Links Pirania , (eigentlich mit einem "n" mit Tilde, oder so geschrieben: Piranha); Rechts: von Piranias angefressene Kapibara.

Was einige meiner Expeditions-Reiseteilnehmer als größte Gefahr im Urwald fürchteten, war der obligate Umtrunk von Maniok-Bier (Chicha de Yuca) bei den Indios. Es floss in besonders trinkfesten Sippen so reichlich wie das Bier beim Oktoberfest. Zwecks Gärungsprozess mussten die gekochten Maniokknollen von den Frauen des Stammes zur Fermentierung gründlich gekaut und dann in einen Trog gespuckt! werden. Ich bevorzugte das Gebräu junger hübscher Indio-Mädchen, weil ich mir vorstellte, wir praktizieren innige Zungenküsse, aber manchmal geriet man eben auch an eine runzlige Grossmutter.



Foto links: Junges Yagua-Mädchen (Peru/Kolumbien); Rechts: ältere Shuar-Frau (Ecuador).

Auf meinen Abenteuerreisen waren vor allem die Abende in den diversen Urwald-Nachtlagern eine Reise in Tiefen des menschlichen Wesens. Alle Teilnehmer kannten sich, so wie von mir gewünscht, nur per Vornamen. Es war eine meist nur für die Dauer der Expedition verschworene Gemeinschaft, die sich in der Regel nach Rückkehr in Deutschland wieder auflöste. Unter dem tropischen Sternenhimmel fielen bei unseren langen Gesprächen alle Hemmungen, jeder konnte sich alles Bedrückende von der Seele reden. Niemand hatte ja mit unerwünschten Folgen zu rechnen. Es gab am nächsten Morgen keinen Arbeitstag mit Kollegen, Untergeben oder Vorgesetzten zu bewältigen noch waren familiäre Konflikte auszustehen. Weit weg von allen Zwängen waren dies die perfekten Momente im menschlichen Leben, um sein tiefstes Inneres zu enthüllen; all den Kummer, den Liebesfrust, seine verrückten und perversen Neigungen, seine Gebrechen, Krankheiten, Defizite. Es waren dies einzigartige Enthüllungen, die den ganz alltäglichen deutschen Durchschnittsmenschen in einem mir völlig neuem Licht erscheinen ließen: Verrückt, pervers und krank. Den ganz normalen Bürger gibt es offensichtlich nicht, er ist ein Mythos. Das verkündigte ich auch oft am Ende solcher Abende: "Ihr seit ja alle entweder verrückt, oder pervers, oder beides und zudem kann ich eure Krankheitsgeschichten kaum mehr hören, sie machen mich krank". Um dieses beleidigende Statement abzumildern, ergänzte ich: "Dass ich verrückt bin, gebe ich freiwillig zu, ihr habt es ja sicher schon bemerkt."

1979, Insel Nagarao

Nach langer Suche erwarb ich Anteilsrechte an der kleinen romantischen philippinischen "Robinson"-Insel Nagarao (gesprochen: Nagarau) auf der ich fortan, mit Unterbrechungen, viele Jahre lebte. Langsam zog ich mich aus dem stressigen Job des Abenteuer-Reiseveranstalters zurück und baute auf Nagarao eine naturbezogene Ferienanlage auf, die ich über 20 Jahre leitete. Es war schön und brachte Spaß, denn ich konnte mit vielen interessanten Menschen sprechen: Arme, Arbeitslose, Menschen aller Berufsgruppen mit oder ohne Besonderheiten, Familien, Rentner, sehr viele Unternehmer, ab und zu auch Superreiche, Wissenschaftler und Politiker. Ein Landesvorsitzender und auch ein späterer Minister der BRD, der jetzige Aussenminister eines deutschsprachigen Landes, Diplomaten, Botschafter und viele verrückte Typen, auch gesuchte Kriminelle (Udo Proksch/Lucona-Versenkung; er verursachte eine Regierungskrise in Österreich und versteckte sich zeitweise unter falscher Identität auf der Insel) hatte ich als Besucher. Ich unternahm jede Menge Anstrengungen, die Insel aufzuforsten und in ein artgerechtes Naturparadies zurückzuverwandeln. Das Korallenriff um die Insel ließ ich unter Schutz stellen. Gebracht hat es dennoch wenig, denn die überbevölkerte Welt der Tropen geht sowieso vor die Hunde und die Meere werden tot gefischt. Ganz schlimm geht es da auf den Philippinen zu. Dort haben Dynamit, Gift und andere destruktive Fischfangmethoden fast alles im Meer zerstört und weniger als 10 % aller Riffe sind noch intakt. Welch ein Verbrechen und was für ein Versagen der dortigen Regierung! Mit Prof. Grzimek hatte ich über die Schaffung von Naturreservaten und Nationalparks in Ecuador korrespondiert und inzwischen ist dort viel vorangegangen, weil Grzimek, auch auf meine Anregung hin, bei der dortigen Regierung, so vermute ich, vorstellig wurde. Aber meine Bemühungen zum Schutz des von mir initiierten Marine-Reservats um Nagarao/Philippinen wurden von den einheimischen Behörden weder honoriert noch unterstützt, manchmal sogar unterlaufen. Nur am Anfang unter Präsidentin Aquino, die ich angeschrieben hatte, lief alles gut.

Zum Schutze meiner Bäume wurde ich sogar zum Dichter und liess folgendes auf einer Tafel vor einem der großen Inselbäume anbringen:

HÜTER DER BÄUME

Und der Baum sprach zu mir:

Hüte und beschütze mich,

damit auch Du lebest.

Denn sterbe ich,

musst auch Du sterben.

Hast Du vergessen,

dass ich Himmel und Erde,

sichtbare und unsichtbare Welt verbinde?

Ehre das Erbe deiner Ahnen,

denen ich heilig und göttlich bin.

(Martin I von Nagarao)

Dazu eine kleine Anmerkung: Ich fühle mich nicht dem angeblich jüdisch-christlichen Abendland (Geschwätz vieler unserer Politiker) verbunden, sondern den germanischen Vorfahren, die eine innige Beziehung zu alten, Ehrfurcht gebietenden Bäumen hatten und kulturell auch das römische Weltreich beerbten. Ich feiere, meiner Kinder wegen, mit Lichterbaum und Wotans Geschenken die Wintersonnwende und nicht irgendwelche orientalischen Gebräuche aus dem Morgenland. Zu Ostern bis hin zum Mai, feiere ich Feste zu Ehren der Venus gleichen, Frühling und Blumen zugetanen, Geschenke bringenden, nordisch/germanischen Liebes- und Fruchtbarkeits-Göttin Freia. Den wunderschönen Begriff "frei" haben wir ihr zu verdanken.

Auch zum Thema "Moral" habe ich meine eigenen Ansichten. Bei den Naturvölkern haben, so sehe ich es auf Grund meiner zahlreichen Beobachtungen, selbst die kleinsten Stammesgruppen klare ethische Moralregeln. Wie sollten sie auch ohne dieselben vernünftig miteinander auskommen? Der Mensch als soziales Wesen, der nur in der Gruppe überleben konnte, musste sich diese schaffen und dazu sind weder organisierte Religionsgemeinschaften noch die "Zehn Gebote" notwendig. Ganz im Gegenteil, das Tötungsverbot wurde und wird ja gerade im christlich-muslimischen Teil der Welt auf schlimmste Weise missachtet. Wenn Steinzeitmenschen moralisch-ethische Grundsätze kennen und versuchen, diese einzuhalten, so müsste es eine Selbstverständlichkeit sein, dass auch die Politiker und Regierungsvertreter unserer modernen Staatswesen, die Moral und nicht die Verlogenheit und Profitgier zur Grundlage ihres Handelns machen. Andernfalls sollten sie meiner Ansicht nach wie Verbrecher behandelt, vor Gericht gestellt und nach Aburteilung eingesperrt werden. Sonst steigt die Politikverdrossenheit, speziell der Jugend, die sich nach Idealen und positiven Vorbildern sehnt, weltweit immer weiter, bis sie sich hoffentlich revolutionär entlädt.Viva la revolution!

Zum Schutze der Natur und speziell der von mir geliebten Bäume, gründete ich sogar die „COSMIC CONGREGATION TREE OF LIFE” und entwarf nachfolgendes Logo:


Das Logo zeigt einen Baum, der tief in der Erde verwurzelt ist und dann wie eine Pyramide in den Himmel zur Sonnenscheibe ragt. Seine Äste strecken sich horizontal aus. Dieser Baum mit diesen waagrechten Ästen ist einer meiner Lieblingsbäume. Die Einheimischen nennen ihn Talisay und er gehört zur Familie der Mandelbäume. Auf der Insel beschütze ich diese Bäume, da sie nur allzu oft und schnell Holzdieben zum Opfer fallen.

Nach meinem Weggang aus Nagarao starb dieser mächtige Baum, er hatte keine Lust mehr ohne seinen Beschützer weiterzuleben, er überlebte die Trennung von mir nicht. Natürlich musste ich nicht sterben, denn mein Weggang war nicht freiwillig, vielmehr Folge der ständigen Mordversuche durch meine damalige Ehefrau Helen.
Auch für eine Kurzversion der Entstehung des Universums verwendete ich den Baum als Vergleich:

Awake golden light
With the sound of a bell.
Fill the universe
Grow like a tree
Pleasing to the eye
Feed all the living
Lead all the chosen into eternity

Mit „Awake” ist der Urknall gemeint, sozusagen das Erwachen unseres Universums. So wie ein Sonnenaufgang mit seinem goldenen Licht uns aus der Nacht in den Tag führt. Das Entstehen der Galaxien, Sternsystem und all dem das unser Universum ausmacht kann man sehr gut mit dem Wachsen eines Baumes vergleichen.

Nun folgte meine Vision, die ich als der „Hohe Priester“ (From the desk of the High Priest) meiner Cosmic congregation Tree of life, mit folgenden Worten verkünde:

Da sah ich die Erde wüst und leer
Kein Hauch des Lebens durchbrach das Dämmerlicht
Und in der Stille hörte ich seine Botschaft
(Damit ist die Botschaft der Schicksalsgötter gemein):
Alles ist vorgegeben, alles bestimmt
So auch Dein Sein in Raum und Zeit
Berufen bist Du zu verkünden:
Des Menschen Schicksal hat sich vollendet
In meinem Garten steht der Baum des Lebens
Dem, der seine Früchte isst, das Tor gewiesen
Sei frei von Furcht, verzage nicht
Im Tode wirst Du neu geboren
Wird neues Leben Dir gegeben
Wirst neue Wahrheit Du empfangen
Wird neues Licht umfluten Dich
Wird neues Sein Dir Heimat geben.

Ich schrieb das an meinem Lieblingsplatz auf Nagarao, vorn am Strand, vor mir das Meer, über mir der nächtliche Sternenhimmel. Auf einem Tischchen stand meine Rotweinflasche die ich Glas um Glas leerte. Benebelt vom Wein sah ich in der fernen Dämmerung im Dickicht der Insel einen wundersamen Baum. Schön anzusehen. mit vielen Früchten. Ich eilte auf ihn zu, verlor mich im Geröll, fand nur die Samenkörner seiner Früchte. Sie auszusäen fühl ich mich berufen.

Auch ein weiteres Mal sprachen die Schicksals-, oder sollte ich besser sagen Schöpfungsgötter zu mir:
Ich verstand, dass es keine Schriften oder sogenannte heilige Bücher gab oder gibt die „höhere“ Wahrheiten enthalten. Das einzige Buch das uns etwas zu sagen hat, ist die Natur selbst, die uns umgibt.

 

Under the shade of trees
You will find enlightenment
The birds of the sky will reveal
More secret than any man
Search and you will find
Our word is the creation
The plants, the trees
And all the living creature
Will tell you more than any book

Damit ist gesagt, dass Bibel, Koran, Talmud und all die anderen religiösen Schriften, soweit diese nicht nachgewiesene historische Fakten, wie da Wirken von Jesus, beschreiben, nicht mit dem Anspruch antreten können, höhere Weisheiten zu verkünden oder von einem Gott oder Göttern zu stammen. Vielmehr ist unser Lehrbuch die Natur selbst. Und diese zeigt uns, dass wir der Moral der „Auslese der Stärksten“, oder um es einfach auszudrücken dem Grundsatz: friss oder stirb, so wie es in der Natur praktiziert wird, nicht folgen dürfen. Wir müssen uns eine moralische Werteordnung der Brüderlichkeit schaffen in der die Starken nicht die Schwachen vernichten, sondern ihnen aufopfernd helfen. Damit kopieren wir nicht die Natur, sondern wählen einen eigenen, neuen Weg.

1985, Krönung zum Inselkönig

 

 

Fotos: Oben: Krönung, Unabhängigkeitserklärung, Festtafel, bereit zum Spaziergang mit meinen Söhnen und Begleitung. Mitte: Feiern mit Spanferkel und Langusten. Unten: Insel Nagarao; Foto unten rechts: eine der Gästeunterkünfte.

Es kam, wie es kommen musste. Meine Gäste und ich feierten auf Nagarao prächtige Feste mit Spanferkeln, Grillfisch, Gitarrenmusik live und vielen, ja sehr vielen Blumen. Die Insel war voller blühender Sträucher, die ich gepflanzt hatte. In der Südsee hatte ich gelernt, Blumen ins Haar zu stecken und Blumenkränze um den Hals zu tragen. Dann schritt ich, nur mit einem samoanischen Wickelrock bekleidet, durch mein Inselreich. So saß ich auch meistens am Kopfende der riesigen Essenstafel. Zum Jahresende 1985 war es dann soweit. Ohne mein Wissen bereitete eine Schar meiner Gäste, mit Hilfe der Inselbewohner und des Personals, eine Überraschungsaktion vor. Jubelnd trug man mich von meinem Wohnhaus, in einer eigens angefertigten Sänfte, zur Haupthalle (Speisesaal) der Insel, setzte mich dort auf einen Thron und rief mich zum Inselkönig aus. Gekrönt wurde ich mit einer wundervollen, wohlriechenden Blumenkrone. Riesiger Applaus folgte und die heimlich in den Tagen davor ausgearbeitete Verfassung wurde mir in die Hand gedrückt. Wunschgemäss verlas ich sie. Auch eine Hymne hatte man komponiert und sang sie nun. Natürlich ging bald auch ein Gerangel um die Ministerposten und Adelsernennungen los, denn es handelte sich ja um eine konstitutionelle Monarchie mit Premierminister, Kabinett und allem Drum und Dran.

Überall in der Krönungshalle (dem geräumigen Speisesaal der Insel) hingen grosse, mit Farbe beschriebene Bananenblätter mit einer englischsprachigen Unabhängigkeitsproklamation. Dies war in etwa der Inhalt: Das Königreich Nagarao unter König Martin I erklärt sich zum 1.1. 1986 für unabhängig.

Zurück in Europa begannen die Minister Pässe zu drucken, und nun musste ich eingreifen, denn ich wollte keine Invasion philippinischer Marinetruppen auf der Insel. König ist ja schön und gut, aber Unabhängigkeit: nein danke. Ich informierte alle Minister auf dem Postweg, dass sie entlassen seien und ich auch nicht dem vom Kabinett geplanten Druck eigener Briefmarken wünsche. Ich würde sofort zur absoluten Monarchie zurückkehren. Nach einem weiteren Jahrzehnt Regentschaft hatte ich den nie enden wollenden Trubel um das Königreich Nagarao und seinen Herrscher Martin I über. Ich nahm von all dem still und gedankenvoll Abschied. Es war eine Abdankung ohne Worte und Proklamationen. Nun hatte ich wieder Zeit für ernstliche Insel-Angelegenheiten. Diese liessen sich nicht aufschieben.

1986, Im trügerischen Auge des Jahrhundert-Taifuns

Alle Jahre fegen rund 20 bis 30 Taifune über die Philippinen und treffen auf die Küsten der östlichen, am Rande des Pazifischen Ozeans liegenden Inseln, um dann meist über Luzon und den Grossraum Manila ins Südchinesische Meer zu ziehen. Nagarao liegt nicht im Durchzugsgebiet dieser Taifune, so dachte man. Doch nun, seit einigen Jahren änderte sich das. Jedesmal entstanden Schäden, schlimme auch im letzten, die allerschlimmsten aber im vorletzten Jahr. Von diesem "Nitang", international als "Typhon Ike" bezeichnet, will ich nun berichten. Nie zuvor, so sagten mir die Insulaner, hätte es in dieser Gegend so einen Jahundertereignis gegeben. Ich war darauf nicht vorbereitet, und fest davon überzeugt, dass der Sturm, wie so oft, seine Bahn ändern und Nagarao verschonen würde. Es ging dann ganz schnell. Etwa um 10 Uhr vormittags wurde der Wind stärker, steigerte sich Minute um Minute, peitschte die See so, dass sich die Wellen immer höher aufbauten. Dazu kam ein starker Regen und der Wind, mit Geschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern peitschte die mit Salzwasser angereicherten Tropfen fast horizontal an die Inselgestade. Wie bei einem Tsunami rollten die Wellen weit bis ins Inselinnere, und etlich Bäume und diverse Gästehütten krachten zusammen. Die Badedämme barsten, die Nordmole eher geringfügig, die Südwestmole komplett. Auch Teile des Riffs wurden zerschlagen. Das Ufer wurde von Korallenblöcken und tonnenschweren Bruchstücken der geborsteten Molen übersäht. Diese waren ja solide aus grossen Steinblöcken, Zement und Stahlbeton von mir erbaut worden. Nach ein bis zwei Stunden war alles vorbei. Es herrschte absolute Stille, die Sonne versuchte wieder die Oberhand zu gewinnen. Zum Glück gab es keine Toten, weder bei den Gästen, noch bei den einheimischen Inselbewohnern und Angestellten.

Ich wanderte auf der Insel herum, aber das war schwierig. Alle Wege waren fast einen Meter hoch mit gebrochen Stämmen, Ästen und Laub bedeckt. Die meisten Bäume verloren nach und nach alle Blätter, denn der salzhaltige peitschende Regen hatte sie versengt. Ich stand fassungslos vor diesem Schlachtfeld und mir schauderte vor dem finanziellen Ruin. Nun war der Alptraum eines Sturms, so dachte ich, vorbei. Das Auge des Taifuns?, das sind doch nur Märchen. Plötzlich wurde ich eines Besseren belehrt. Das freundliche trügerische Auge des Taifuns war über uns hinweggezogen, nun schlug der Sturm wieder zu und tobte stundenlang. Später erfuhr ich, dass Nitang Spitzengeschwindigkeiten von 235 Stundenkilometern erreichte und 1500 Tote und bis zu einer halben Million Obdachloser hinterliess. Ich konnte den Bankrott vermeiden und baute nach und nach alles taifunfest auf. Solides Baumaterial war nun angesagt, Bungalows aus Stein und nur ausnahmsweise mit schwer erhältlichen, termitenfesten Hölzern. Denn was Taifune nicht plattmachen, schaffen Millionen von Termiten, die sich von trockenem Holz ernähren, und die letztendlich, trotz oder auch ohne Einsatz der chemischen Keule, Holzstrukturen und komplette Hütten "pulverisieren".

 

 

Fotos: Links und Mitte: das schützende Westriff ist geborsten, Teile des Bootsanlegepiers zerschmettert. Riesige Korallenblöcke und Zementquadern liegen am Strand. Rechts: Aufräumarbeiten vor teilzerstörten Gästeunterkunft.

1988, Insel der Aussteiger

Es gab Jahre, da hatte ich eine Reihe von Aussteigern und Häusle-Erbauern auf Nagarao. Sie waren zuerst meist als Gäte auf der Insel und verliebten sich derart in dieses komfortable, von mir, dem exzentrischen Inselkönig, regierte Robinsoninselchen, dass sie nun unbedingt dort ein eigenes Ferien- und Altersdomizil errichten wollten. Ich erlaubte es, teilte ihnen ein Stück Land auf Pachtbasis zu, baute ihnen ein einfaches kleines, zum Inselstil passendes Haus. Auf diese Weise wollte ich Aussteiger, die die monatlich anfallenden Kosten für Verpflegung und anteiligen Inselerhalt aufbringen konnten, auf Dauer ansiedeln, denn nur so würde ich den Inselbetrieb ganzjährig gewährleisten können. Das war ein Irrweg, denn keiner der etwa ein Dutzend Aussteiger schaffte den Absprung aus dem bisherigen Leben. Die ersten liebenswerten Träumer ließen sich in Deutschland nach Streitereien scheiden. Eine üble Scheidung war das. Sie kamen nie mehr auf die Insel zurück. Dann war da der Witwer mit einer guten Witwerrente. Er hatte, was ich nicht wusste, in Deutschland ein Alkoholproblem, wurde auf der Insel rückfällig und zum Quartalsäufer. Auch er verschwandt eines Tages. Einem anderen ging sein steuerliches Kalkül mit Zweitwohnsitz nicht auf. Ein weiterer verfiel, nachdem er endlos Viagra in sich hineinpumpte, käuflichen Liebesdienerinnen, die er aus Ilo-ilo mitbrachte. Er wurde wegen vieler Peinlichkeiten von Mitbewohnern von der Insel vertrieben. Eine nette alte Dame wurde von ihrem Sohn wegen eines unheilbaren Tumors heimgebracht.Ähnlich erging es einem pensionierten Familienvater, ganz zu schweigen von jenem unscheinbaren, schmächtigen Frühpensionär, der plötzlich eine internationale Heiratsvermittlung von der Insel aus betreiben wollte und mit den örtlichen Gesetzen in Konflikt geriet. Warum sollte es mir anders ergehen als jenem gescheiterten Inselkönig Engelhardt von Kabakon, der mit seinen "Zuwanderern", allerdings selbstverschuldet, nur Ärger bekam. Nun verfallen viele meiner Aussteiger-Domizile auf Nagarao, eigentlich müssten sie abgerissen werden. Aber dennoch möchte ich die Zeit mit diesen Aussteigern nicht missen, denn sie brachten viel Freude und Unterhaltumg auf die Insel.

Unter dem Titel "Insel der Aussteiger" liefen auch auf Nagarao gedrehte Beiträge im ARD oder ZDF und weiteren TV-Kanälen.

1990, Feldzug gegen Kokospalmen, zurück zum Urwald

Kokospalm-Plantagen auf Inseln sind nicht, wie einst der bereits weiter oben erwähnte deutsche Aussteiger Engelhardt, rund 70 Jahre vor mir auf seiner Insel Kabakon im damaligen Deutsch-Neuguinea verkündete, ein Segen, sondern ganz im Gegenteil eine Umweltschändung. Engelhardt , "König von Kabakon", ernährte sich nur von Kokosnüssen und ging daran elend zu Grunde. Um solche Kokosplantagen anzulegen, musste zuerst der gesamte Urwald tropischer Inseln gerodet werden. Damit wurden indirekt fast alle anderen Lebewesen, speziell die Vögel, ausgerottet, denn außer den von Menschen eingeschleppten Ratten, die die Nüsse aufnagen können, bieten solche Plantagen der Tierwelt keine Nahrung mehr. Die Kokospalmen entziehen dem Boden so viel Wasser, dass andere Pflanzen nicht richtig gedeihen können. Statt toller Südsee-Inseln entstehen Ratten-Inseln. Die Palmwedel sind als Dachbelag völlig ungeeignet, sie zerbröseln innerhalb von Monaten, deshalb werden zum Beispiel in den Philippinen nur die Wedel der Nipa-Sumpfpalmen verwendet. Das Holz taugt auch nichts, denn der Stamm ist innen größtenteils so weich, dass man ihn nicht zu Brettern verarbeiten kann. Es reicht, wenn Kokospalmen an einigen sandigen Insel-Uferstreifen stehen, dort allein ist ihr berechtigter und natürlicher Lebensraum. Dort kann man sich dann auch die Nüsse holen, um Durst und notfalls Hunger zu stillen. Hängematten habe ich auch nicht unter Kokospalmen gespannt, denn herunterfallende Nüsse können einen menschlichen Kopf tödlich zertrümmern. Deshalb habe ich diese TODESBÄUME allesamt auf Nagarao fällen lassen und nur einige im Strandbereich stehen lassen. Nun begann ich, die Insel mit den ursprünglichen Bäumen und Sträuchern zu begrünen und zu einem Naturparadies umzugestalten. Unzählige bunte Vögel, Schmetterlinge und weitere Tiere aller Art fanden sich nun wieder auf der Insel ein. Meine deutschen Urlaubsgäste waren, als sie zusehen mussten wie ich die gesamte Kokosplantage platt machen lies, erst einmal entzetzt, bis sie dann doch einsahen, dass viele bunte Urlaubsprospekte deutscher Touristik-Veranstalter ihnen eine verdammenswerte Lügenwelt vorgaukelten. Im Morgengrauen werden in vielen solchen Anlagen die Kokospalmen "kosmetisch" bearbeitet, das heisst die Nüsse entfernt, damit ja kein Unfall passiert. Der ebenfalls in solchen Anlagen meist übliche importierte Bermudarasen wird gleichzeitig mit der chemischen Keule "sterilisiert".

 

 

Fotos: Die Kokosplantage ist ein destruktiver "Fremdkörper" und wird mit der Axt gefällt, um einem naturgerechten Bewuchs zu ermöglichen.

Mit dem Abholzen der Kokosplantage war die Insel aber noch nicht gerettet. Die erste Siedlerfamilie, die vor über einem Jahrhundert diese Urwaldinsel in Besitz nahm, rodete so gut wie den gesamten Baumbestand. Nur sogenannte "Geisterbäume" wurden verschont. Auf der einen Inselhälfte enstand die Kokosplantage, auf der anderen Hälfte wurden Reisfelder angelegt. Zum Entzetzen der Insulaner ebnete ich die Reisfelder ein und bepflanzte sie mit Bäumchen. Auch der Mangrovenwald am Ostteil der Insel wurde dezimiert, da man auf Nagarao Holzkohlemeiler betrieb. Dabei sind Mangroven lebenswichtig, denn sie schützen die Insel vor Taifunen und Springfulten. Diese versalzen die Reisfelder und damit fielen manchmal zwei Jahre die Ernten aus. Diese Schutzfunktion haben auch die auf den sandigen Uferseiten wachsenden Pandanus-Schraubenpalmen, deren Bestand ebenfalls schrumpfte, da man die langen schwertähnlichen Blätter zum Flechten von Matten und Körben benötigte. Ich begann mit einer umfassenden Bepflanzung. 100 000 Bäumchen waren es wohl, viel zu viele. Aber ich wusste, dass nur etwa 10 % die extrem regenarmen Monate der Trockenzeit überstehen würden. Bewässerung war nicht möglich, die abgeholzte Insel ausgedortt. Ich setzte auch schnell wachsende Bäume, und bald hatte ich wieder ein flächendeckendes schattiges Blätterdach mit vielerlei Unterholz. Nagarao wurde zur grünen Insel, voller Blüten, früchtetragender Bäume, bunter Schmetterlinge, Reptilien, Amphibien und Vögeln. Eine Arche Noah entstand hier im Indopazifik. Die Presse berichtete, sogar Umweltpreise wurden mir in Aussicht gestellt.

 

 

 

Fotos, obere Reihe. Links: Verdorrtes Reisfeld. Mitte: Mangroven und Schraubenpalmen werden gesetzt. Rechts: Martin überprüft den Wachstum der Pandanuspalmen. Fotos, unten. Links: Vorbereitungen zur Aufforstung, Wissenschaftler und Inselgäste helfen mit. Rechts: Der neue Insel-Urwald; er umgibt einen gewaltigen -derAbholzung entgangenen- Mangrovenbaum, von dem ich behaupte, er sei der älteste Mangrovenbaum der Welt.

1990, Schutz der Inselgewässer, "Einer gegen alle"

Mit Hilfe der Regierung schaffte ich ein Marine-Schutzgebiet um Nagarao. Besonders unbeliebt machte ich mich auf einigen Nachbarinseln wegen meines unbeugsamen Feldzugs gegen das Abmurksen von Meeres-Schildkröten. Gefangene Exemplare kaufte ich auf und entließ sie wieder ins Meer. Den Fischern machte ich Vorhaltungen und große Fischkutter, die illegale Fischmethoden anwandten, verjagte ich mit meinem kleinen motorisierten Auslegerboot, und selbst Warnschüsse dieser kriminellen und bewaffneten Elemente konnten mich nicht einschüchtern. Auch schriftliche Morddrohungen ignorierte ich. Das alles hat nichts geholfen. „Einer gegen alle“ funktioniert wohl nur in Märchen. In den letzten Jahren habe ich keine Meeres-Schildkröten in der ganzen Region gesehen.

Fotos: Links: Markierung des Marine-Schutzgebietes; Rechts: Martin rettet Meeresschildkröte vor dem Kochtopf.

1994, die Penis-Zeremonie der Schamanin

Auf Nagarao lebte auch eine alte kinderlose Schamanin. Sie war direkter Nachfahre der ersten Siedlerfamilie. Sie wurde Lola Oping genannt, wobei Lola in den Philippinen Grossmutter bedeutet. Als sie alt und gebrechlich wurde, kümmerte ich mich um sie und gab ihr Speis und Trank oder was immer die bescheidene alte Frau dringlich brauchte. Sie bezeichnete mich fortan als "mein fürsorglicher Sohn". Friedlich schlummerte sie am 20. April ein, und von nun an hatte ich weder Babysitterin noch Mittelsperson für die Kontakte mit den Inselgeistern. Diesen brachte sie die täglichen Opfergaben: etwas Reis, Gemüse und Fisch und ein Gläslein Rum oder auch mal ein von mir gespendetes Bier. Die Gaben wurden unter diese wenigen alten heiligen Bäume gelegt, die man aus Angst vor den Geistern nie abholzte. Ich erkannte, dass ich deshalb Baum- und Naturschutz am besten in religöse Argumente verpackte. Fortan förderte ich den Geisterglaube und zusätzlich drohte ich mit dem Zorn Gottes, falls Bäume ohne zwingende Notwendigkeit gefällt oder Tiere grundlos getötet würden. Als meine Arbeiter eine riesige Meeresschildkröte, die zur Eiablage auf die Insel kam, zwecks Verzehr töten wollten, rastete ich aus und schrie sie so an, dass die Erinnerung an mein wutentbranntes Brüllen wohl bis heute bei ihnen nicht verblasst ist. Lola Oping zeigte mir auch die Wanderwege der Geister auf der Insel und erklärte mir deren Wirken.

Nun gab es auch keine lustvolle Penis-Zeremonie mehr. Dabei zog Lola meinen Söhnen in deren Babyalter das Höschen runter, fasste sie am Penis, steckte diesen in ihren Mund und begann ihn gefühlvoll zu lutschen. Was für ein Gekicher, es schien den Bübchen zu gefallen. Dann wiegte sie den jeweiligen Buben in der luftigen Hängematte in den Schlaf. Warum das alles? Ich denke, es war dies eine Huldigung an den Penis und die zukünftige Manneskraft, denn in den ländlichen Philippinen, abseits der christlichen geschlechtsfeindlichen Indoktrinierung, ist Sex, wie einst in der vorkolonialen Zeit, ein wesentliches Element des täglichen Lebens. Moderne städtische Filipinos werden wohl aus Scham leugnen, dass es solche altertümlichen Gebräuche wie das Penis-Ritual gibt.

 

 

Fotos oben, links: Geisterbaum "Lunok" (Banyan). Mitte: Lola Oping mit Opfergabe. Rechts: Lola bei Pflanzarbeiten. Unten links: Mit selbstgedrehter Zigarre. Mitte: Bei lustvoller Penis-Zeremonie mit einem meiner Babys. Rechts: Schlafe mein Büblein....

1995, Piraten überfallen Nagarao

Piratenüberfall mit kurzfristiger Geiselnahme (30. Dezember 1995) und Beraubung von rund 40 Besuchern sind ein herber Rückschlag, der mich finanziell fast ruinierte. Dazu kamen acht Mordversuche, verübt von meiner damaligen einheimischen Ehefrau, die die Angewohnheit hatte, "Amok" zu laufen. Ich verlor die Lust "Inselkönig von Nagarao" zu spielen und will meinem Leben wieder einmal eine neue Wendung geben. Denn als letzter Deutscher König, oder Insel-König, wurde ich im Stern, Quick, Bild und Dutzenden von Zeitungen und Zeitschriften bezeichnet, sowie in zwei Beiträgen, die bei RTL-Explosiv liefen. In Ilo-ilo, der Hauptstadt der Provinz Iloilo/Panay hatte ich ein Haus gekauft, um mein Stadtbüro unterzubringen (Nagarao gehörte zur Subprovinz Guimaras, die wiederum Teil der Provinz Iloilo war. Inzwischen ist Guimaras eine eigenständige, wenn auch sehr kleine Provinz). Das Haus begann ich umzubauen und aufzustocken.

 

 

Foto oben: Trotz meiner bewaffneten Sicherheitskräfte war ich gegen die Piraten machtlos. Denn was im nachfolgenden AZ-Bericht nicht erwähnt wurde, ist die gleichzeitig mit dem Überfall erfolgte Geiselnahme, die ja, wie später bei den Banditenüberfällen der Abu Sayyaf, auch hätte tödlich enden können.

1999, Reise in die nächste Dimension


Nach Beendigung des Umbaus eröffne ich ein Restaurant "Bavaria" und vermiete Pensionszimmer. "Iloilo City Inn" heisst die Pension. Ich veröffentlichte ein Büchlein, erschienen im Jahr 2001 mit der ISBN Nummer 978 9719257008, mit dem Titel: „Journey to the next dimension“ mit philosophischem Inhalt.

 

NUN MEHR ZU MEINEM BUCH: "REISE IN DIE NÄCHSTE DIMENSION"

Zweck dieser publizistischen Mühen ist der Naturerhalt. Da rationelle Forderungen, so merkte ich bald, in den Philippinen wenig bringen, verpackte ich meine "Botschaft" in einen religiösen Mantel. Erst einmal gründete ich eine Religionsgemeinschaft: "Universal Congregation Tree of Life". Das Wort Universal wurde von der zuständigen Behörde nicht genehmigt und so ändere ich alles auf: "Cosmic Congregation Tree of Life". Dann ernannte ich mich zum Hohen Priester und geistigen Führer derselben. Konsequenter Weise leitete ich das Büchlein mit folgenden Worten ein: " The Cosmic Congregation Tree of Life is pleased to publish a selection of teachings of our High Priest and spiritual leader Martin I of Nagarao". Verlegt wurde das Büchlein durch einen ebenfalls von mir gegründeten Mini-Verlag "Lunok Publishers". Lunok ist der lokale Name für den Banyan Baum. Unter so einem Baum hatte auch Buddha seine Erleuchtung. Ausserdem steht so ein riesiger Baum hinter meinem damaligen Haus, er sei Wohnstätte von Baumgeistern.

Das Buch war sogleich ausverkauft. Es war in englischer Sprache geschriebene und hatte nur 40 Seiten. Es beginnt mit der Frage nach Gott. Das musste sein, damit es gelesen wird, denn ich kenne kein anderes Land auf der Welt, in dem die Masse der Menschen so besessen religiös ist, wie in den Philippinen. Ich fühlte mich in Ilo-ilo häufig durch fast missionarisch wirkende christliche Eiferer belästigt und bedrängt. Da entschloss ich mich zu einem brutalen Paukenschlag und verdammte in meinem Büchlein das "Alte Testament" als ein verbrecherisches Machwerk, auf das sich Christentum, Judentum und Islam berufen, und das indirekt in den letzten zweitausend Jahren, das zumindest ist meine Meinung, mehr Opfer forderte, als Hitlers Gräueltaten, die sich in seinem Buch "Mein Kampf" ankündigten.

Vor rund 2500 Jahren flossen immer mehr zoroastrische Vorstellung in das ewig "unfertige" Alte Testament ein. Besonders die Vorstellung, dass der allmächtige, einzige Gott in einem endlosen Kampf mit Satan verstrickt war und somit das Böse auf der Welt erklärt werden konnte, wirkt bis heute in fataler Weise nach. Wenn da die amerikanischen Präsidenten Reagan und Bush von guten und bösen Nationen, wie zum Beispiel dem Iran, sprachen, dann zeigt das schon einen selbstmörderischen Irrtum. Lächerlich geradezu, wenn man bedenkt daß der große Philosoph und Religionsgründer Zarathustra ja selbst aus dem Iran, also dem alten Persien stammte. Es gibt keine bösen Nationen, sondern nur Menschen, auch Staatslenker, die das menschliche Wohl gefährden und, so sage ich als Gegner der Todesstrafe, in "Sicherheitsverwahrung" genommen werden müssen. Diese dualistisch zaraostrisch-alttestamentarische Polarisierung der Welt halte ich für grundfalsch. Sie zeigt ein Dilemma vieler Religionen auf. Solange die Menschen von einem bunt gemischten Götterhimmel mit guten und bösartigen Göttern ausgingen, konnte das Böse auf der Welt erklärt werden. Als aber die alttestamentarischen Nachfolgereligionen, damit meine ich das Christentum und den Islam, sowie davor schon das Judentum, sich dem Monotheismus zuwandten, konnten sie nicht erklären, warum der angeblich allmächtige und gute Gott, das Böse auf der Erde zuließ. Ich beziehe mich auf das sogenannte Theodizee-Problem. Es ist unlösbar. Ein allmächtiger Gott, der zulässt dass Abermillionen Unschuldige durch Massenmord (Holocaust) oder Naturkatastrophen elendlich zugrunde gehen, kann nicht gut sein, allen philosophisch-religiösen Spekulationen zum Trotz.

Meine Erklärung zum Thema Theodizee, also Gottes Rechtfertiguung des Übels auf der Welt, ist eine andere: Wir sind, und dies hat nichts mit der Frage zu tun ob es Gott gibt (oder nicht gibt), in unserer irdischen Lebensspanne noch in einer Welt der Schrecken gefangen, so wie die gesamte Natur. Das "Böse" ist untrennbarer Bestandteil des Lebens, und wer das nicht akzeptiert, muss in ein anderes Universum entrinnen, was in unserem Leben kaum möglich sein wird. Das kann nur in der nächsten Dimension Wirklichkeit werden.

Eines der Kapitel meines Buches beschäftigte sich mit der Frage nach der Funktion der Natur, als Lehrmeister für die Menschen. Alles lernen wir von der Natur, sind wir doch Teil von ihr -auch moralische Werte, aber nicht im Sinne Darwins. Die Evolutionstheorie zeigt uns, wie alles zustande kam und zusammenwirkt, aber ist beispielsweise das Leben der Löwen ein relevantes Vorbild für unser Familienleben? Verjagt ein starker Junglöwe den Boss der Sippe, werden zuerst dessen wehrlose Baby-Nachkommen umgebracht. Das gilt für Paviane genauso wie für viele andere Arten des Tierreichs. Dieses Überleben, nur der Stärksten, zu Lasten der Schwachen, ist doch so abstossend für den Durchschnittsmenschen, dass wir dieses Verhalten nicht auf die menschliche Gesellschaft übertragen wollen, möchten oder sollten.

Was uns die Natur wirklich lehrt, ist, einen völlig konträren Weg zu gehen. Statt, in der Natur üblichen, im Tierreich permanent Angst und Schrecken verbreitenden, tödlichen Überlebenskampf, muss der Mensch ein aggressionsfreies und friedliches, ja liebevolles Miteinander anstreben. Der mit einem überragenden Verstand ausgestattete Mensch, der da stolz auf seine geistigen Fähigkeiten verweist, ja vielmals, je nach Glaubensrichtung oder philosophischer Denkweise, diesen Geist auch als unsterbliche Seele bezeichnet, soll sich klar von der Brutalität einer Natur (die wir dennoch schützen, erhalten und respektieren sollten, da wir mit ihr im friedlichen Einklang leben müssen), die keine Moral sondern nur Überlebenskampf bis zum Sieg oder Tod kennt, abwenden.

Nichts wirklich Neues, denn friedfertiges Verhalten wurde ja, so interpretiere ich die damaligen Vorkommnisse, bereits vor rund 2000 Jahren von einem religiösen Revolutionär gepredigt, der hingerichtet wurde. Wobei dieser sich indirekt gegen jenen alten, tyrannischen, rachsüchtigen, blinden Gehorsam fordernden Gott des Alten Testaments, vertreten durch seine arroganten Tempelpriester, wandte. Natürlich kann man einen Feind am besten von innen aufreiben, indem man eine zeitgemäße Verschleierungs-Taktik anwendet. So bezog sich Jesus ja häufig auf das religiöse Schrifttum seiner Zeit, um sich wirkungsvoller Gehör zu verschaffen. Aus ähnlichen Erwägungen zwängte auch ich in meinem Büchlein das Gesagte in ein religiöses Gewand - und siehe da, die Strategie war sehr erfolgreich, und ist heutzutage zumindest in der westlichen Welt ungefährlich. Nur in manchen Teilen der islamischen Welt werden Ungläubige, speziell Abtrünnige mit dem Tode bedroht. Schade eigentlich, dass Religionen so verkommen können. Denn ich habe keinen Zweifel: Jesus ist NICHT der Sohn eines Gottes, sondern nur ein Mensch, der "viva la revolution" verkünden wollte. Mit dieser Auffassung stehe ich nicht allein, auch andere Forscher teilen sie. Dem Zölibat verpflichtete katholische Geistliche habe ich auf meinen Weltreisen von ihrer schmutzigsten Seite kennengelernt und frage mich, ob es denn überhaupt einen einzigen Priester gibt, der nicht schwul, pädophil, Schürzenjäger oder als letzter Ausweg Alkoholiker ist. Ach gäbe es doch statt solcher Menschen lieber mehr Heiden! Ich zumindest sag´ an dieser Stelle all denen, die mich zu missionieren versuchen: Nein danke "Ich bin ein Heide". Gelobt sei das Heidentum. Da bin ich in guter ehrbarer Gesellschaft, denn Jesus war auch Heide. Dass er mit dem Alten Testament nicht konform ging, sieht man schon an solchen Episoden wie der verhinderten Steinigung einer angeblichen Sünderin. Wer sich gegen das Alte Testament oder dann später gegen den Koran stellte, wird, nach einer der gängigen Definitionen des Wortes Heide, als Heide oder Ungläubiger bezeichnet. Die Brutalitäten alttestamentarischer Strafen werden von der islamischen Scharia noch übertroffen. Diese gehört untrennbar zum Islam, denn ohne Scharia ist diese Weltreligion kein Islam mehr. So wird in Saudi Arabien und einigen weiteren islamischen Ländern weiter geköpft, Hand abgeschlagern und ausgepeitscht - ich habe das selbst auf meinen frühen Reisen (Iran) mit angesehen. Die Frau gilt als minderwertig und darf bei bestimmten Vergehen gesteinigt werden - man denke nur an solche Vorfälle in Afghanistan. Eine Religion, die solche grausamen Körperstrafen zu ihrem festen Bestandteil macht, ist natürlich in unserem Rechtsbereich als verfassungsfeindlich einzustufen und gehört in Deutschland verboten. Wenn Muslime einem möglichen zukünftigen Verbot entgegenwirken wollen, müssten sie die Scharia-Gesetzgebung aus dem Islam entfernten, dann ist der Islam aber kein Islam mehr. So wie Jesus mit dem Alten Testament abrechnete und zum Heiden wurde, so sollte nun auch von mutigen Reformern mit dem Islam abgerechnet werden. Das würde grosse Teile unserer Welt humaner machen. Denn ich streite nicht nur für Naturerhalt durch entschlossene freiwillige Bevölkerungsreduktion, sondern auch für ein liebesvolles Miteinander aller Menschen, ohne grausame Strafen und ohne unmenschliches Handeln.

 

2002, Feedback, meine Rückkopplungstheorie

Tour in Ecuador mit einer kleinen von mir organisierten Gruppe. Allerdings ist die Anreise von Manila, via Japan, USA bis Quito eine endlose Tortur und extrem teuer. Direktflüge gibt es nicht.

Fotos aus früheren Ecuador-Expeditionen: Links: transportiere meine Expeditionsgäste auf Balsaflössen am Mangosiza-Fluss in Ecuador durchs Siedlungsgebiet ehemaliger Kopfjäger vom Stamm der Shuar (Jivaro); Rechts: Erkundung der Sumaco-Region im Einbaum, Amazonasgebiet Ecuador.

Was mich zu dieser Zeit besonders bewegt, ist die Frage, inwieweit es aus der fünften Dimension, oder der nächsten Realitätsebene, mit der wir via Synapsenspalt verlinkt sind, "Feedbacks" gibt. In anderen Worten: erfolgt da eine Rückkoppelung, die uns lenkt, indem sie uns bei Entscheidungssuchen einen bestimmten Weg weist? Statt Willensfreiheit, Steuerung von außen? Sind menschliche Fehlentscheidungen die Folge von mangelnder Sensibilität beim Erkennen menschlicher Impulse? Missachten wir zu oft unseren Intuitionen? Sind alptraumhafte und schreckliche Lebenserfahrungen Voraussetzungen, um in der nächsten Realitätsebene überhaupt den schlimmen Dingen, die ja Teil eines jeglichen menschlichen Lebens sind, zu entkommen? Ist es der Zweck unseres Lebens, durch schockierende Erfahrungen a´ la Holocaust, nach Eintritt unseres Geistes in die nächste Dimension, kreative Ruhe und inneren Frieden zu finden?

Der Traum befreit uns oftmals durch Horrorvisionen vom Schrecken des Alltags und der Vergangenheit. In die nächste Realitätsebene treten wir, dies ist meine feste Überzeugung, unbeschwert wie Schmetterlinge, die gerade der Raupe entschlüpft sind, ein. Alle Schrecknisse bleiben mit der körperlichen Hülle unseres eigentlichen Seins für immer und unwiderruflich zurück.

2003, Nochmals Ecuador

Weitere Ecuador-Tour, die ich für reiselustige Freunde veranstalte. Ich muss ja wieder mal meine Farm besuchen, die sich Einheimische unter den Nagel zu reißen versuchen. Diesmal fliege ich von Manila, via Deutschland, nach Quito.

Fotos aus früheren Ecuador-Expeditionen: Links, Urwalderkundung am Cuyabeno, Amazonasregion Nordost-Ecuador; Rechts: Colorado (Tsachila)-Indianerin, Küste Ecuador.

2006, Neues Leben, neue Frau

Ziehe von Ilo-ilo nach Negros zu einer neuen Gefährtin, die nur 40 Jahre jünger ist. Ein Sohn "Leo" wird sogleich geboren (insgesamt habe ich nun schon sieben leibliche Söhne: Markus, Richard und Ramses aus erster Ehe mit einer sehr hübschen und netten Filipina, dann: Andreas, (M.) Rudolf und Marwin aus der letzten Desaster-Ehe) und kurz darauf meine erste Tochter „Elea“. In Negros, im Fischerdorf Canmoros, zur Stadt Binalbagan gehörend, richte ich das kleine Privatmuseum „Anaconda“ ein. Darin stelle ich, unter anderem vielleicht die weltlängste Anakonda (aus dem Amazonas) leider als Präparat aus. Die Indios hatten die Anakonda getötet, weil sie angeblich ein Indiokind verschlungen hatte. Auch archäologische Ausgrabungen aus drei Jahrtausenden befinden sich im Museum. Darunter der abgebildete "Kosmonaut", eine etwa 2000 Jahre alt Tonfigur der Tolita-Kultur.

 

2007, Resümee eines Auswanderers

Übersiedle mit der "Neuen", nebst Leo und Elea, nach Berlin.

Ich werde natürlich immer wieder zum Thema Auswanderung befragt. Da muss ich wahrheitsgemäß feststellen, dass ich meine "Auswanderungen" nach Südamerika und Asien eher als exotische Lebensabschnitte (langandauernde Weltreisen) in Übersee angesehen habe und nie meine Bindungen zu Deutschland kappte. Dort wo ich lebte, herrscht hohe Kriminalität, es gibt keine akzeptable Alters- noch Krankenversorgung, geschweige denn ein Schulsystem, das Kinder ausreichend für das globale Geschehen fit macht. Korruption ist allgegenwärtig. In den Philippinen werden Ausländer diskriminiert und können weder Grundbesitz erwerben, noch zur eigenen Sicherheit einen Waffenschein erlangen. Wie steht es, in einem Land wie den Philippinen, um spezielle intellektuelle Bedürfnisse eines Menschen, der sich vorrangig in der Vielfältigkeit europäischer Kulturen heimisch fühlt? In den Philippinen hat die Bevölkerung die alte Kolonialsprache Spanisch gänzlich vergessen, die neue Kolonialsprache Englisch ist stetig rückläufig, die neue Staatssprache Tagalog wird nur von einer Bevölkerungsminderheit verwendet, dafür aber werden um so mehr rund achtzig Lokalsprachen geplappert. Sehnsüchtig erinnerte ich mich da an meine Zeit in Latainamerika, dort sprachen so gut wie alle Menschen Spanisch, oder in Brasilien, das für mich leicht verständliche Portugisisch. Das Leben in einer kulturellen "Diaspora" stört natürlich jene Auswanderer nicht, die sich da mit Schicksalsgenossen zusammentun, um dann jene Örtlichkeiten ausfindig machen, wo der Bierpreis am günstigsten ist, um dann schlapp und schwitzend über das kühle Wetter in Deutschland herzuziehen.

Ich habe nie, wie allzuviele dieser Auswanderer, auf Deutschland geschimpft, sondern mein deutscher Pass war mir ein wichtiges Gut, das deutsche Sozialsystem eine fast einzigartige Errungenschaft, die kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten paradiesisch. Dafür bin ich auch bereit, das etwas lebensfeindliche kühle Klima zu ertragen. Denn diesem Klima haben wir viel zu verdanken. Es steigert unsere Leistungsfähigkeit und schenkt uns enorm fruchtbare Ackerböden. Diese völlig ertraglosen Lateritböden der Tropen, sowie diese lähmende feuchte Hitze, die dort lebende Europäer oftmals zwingt, in Büros und Schlafräumen Klimaanlagen zu installieren, sind der Hauptgrund für die Kluft zwischen armen und reichen Weltgegenden. Der Mensch, das ist eine meiner Erfahrungen, hat sich dem Diktat seiner Umwelt und des dort herrschenden Klimas zu beugen, sonst kann er nicht überleben. Das Klima, und nicht sein Genmaterial, bestimmt auch seine kulturelle Entwicklung.

Mein bisheriges Leben betrachte ich als eine fünzigjährige Reise um die Welt. Nun scheint die physische Reise ans Ende zu gelangen, dafür beginnt vorwiegend das psychische Reisen.


2008, Das "Synaptische Tor", philosophische Selbsterkenntnisse

Da sitze ich jetzt, plane die nächsten Lebensabenteuer und vergesse dabei auch nicht, mich für den Übertritt in die nächste Dimension (ich nenne sie die „Fünfte“) oder Realitätsebene vorzubereiten. Denn bei den Indios habe ich gelernt: Die Welt, in der wir leben, ist nur Schein, die Realität liegt jenseits unseres Begreifens. Schamane sollte ich sein, dann könnte ich jetzt schon mal ein paar Blicke in naheliegende Bereiche dieses neuen Seins werfen. Vielleicht schaffe ich es auch, mit meinen Synapsen (Synapsen sind Umschaltstellen für diskontinuierliche Energieübertragung im Zentralnervensystem. Sie haben unter anderem, auf Grund meiner eigenen Erfahrungen, die einzigartige Fähigkeit, mit Hilfe des Synapsenspalts, Kontakte zwischen den Welten oder Realitätsebenen aufzunehmen) tiefer in die Geheimnisse unseres Seins einzudringen, sozusagen Wanderer zwischen den Welten zu werden. Nicht um Ruhm, Macht oder Reichtum zu gewinnen, nein: das Wissen um die letzten Dinge ist es, was mich stetig vorwärts treibt. Unermüdlich habe ich in meinem bisherigen Leben, auf der Suche nach dem tiefsten Sinnesgrund, besonders jene Erfahrungen analysiert, die unerklärlich erscheinen, aber deren Verständnis, um das Leben als solches zu begreifen, unverzichtbar sind.

Unerklärlich erschien mir, um eine von vielen Erfahrungen zu nennen, die plötzliche Unruhe meines schwer erkrankten Freundes Robrob, der in Ilo-ilo im Mission Hospital lag, und unbedingt ein Telefon, was in seinem Zimmer nicht verfügbar war, wollte, da sein älterer Bruder in Luzern in allergrösster Not sei und ihn sprechen müsste. Es ging leider nicht, aber nachher erfuhr ich, dass dieses Ereignis, am gleichen Tag, kurz vor dem Tod des Bruders in der Schweiz, stattfand. Ähnliche Berichte können Bücher füllen. Zusätzlich habe ich auch mit Hilfe aufschlussreicher Träume erkannt, dass wir mit einer "nächsten", höheren Realitätsebene verbunden sind. Mit ihr sind wir, also unser Geist, unser individuelles Universum und alles was unser "Ich" ausmacht, meiner Meinung nach, über unseren Synapsenspalt dauernd vernetzt und beim Tod erfolgt nur der permanente Übertritt in diese neue Dimension. Über den Synapsenspalt und diese Dimension erfolgen auch solche mentale Kommunikationen wie zwischen den kranken Brüdern. Auch weitere PSI-Phänomene, wie echtes Hellsehen, ja vieles mehr, kann erklärt werden. Leider gibt es da zu viele Scharlatane. Den Synapsenspalt nenne ich auch das "SYNAPTISCHE TOR", weil es Seinsebenen verbindet. Anders ausgedrückt: das Synaptische Tor ist die Eingangstür in eine andere Welt.

Der Mensch ist nicht ein im Weltenlauf isoliertes Wesen, das bei der Zeugung entsteht und im Tode vergeht; vielmehr ist er fest in ein komplexes, multidimensionales Geschehen, das sich auf verschiedenen Realitätsebenen abspielt, eingebettet!

Dies sind also meine philosophischen "Selbsterkenntnisse":

"Rastlos, in unentwegter Suche

um letzte Wahrheit zu ergründen.

Das Wissen um die "letzten Dinge"

ist es, was ich suche.

Die Weisheit als das höchste Gut

gilt es zu finden. Wie Wotan einst mit

Hut und weitem Mantel

rastlos durch seine Lande zog,

so zieh auch ich

durch meine Welten.

Zu finden gilt es jenes Tor der Weisheit

das uns von dieser Welt

in jene leitet,

das letzte Geheimnisse uns enthüllet

und Antwort gibt

auf alle unsre Fragen,

auf dass ich Wanderer

dereinst nach langer Suche

im Schoss des wahren Seins

sanft ruhen kann.

Dies ist das Los

vom Schicksalsgott

mir zugeteilt."

 

2009, Resümee meiner politischen Ansichten

Wenn ich mit meinen Freunden spreche, interessieren diese weniger meine philosophischen Gedanken. Sie wollen lieber hören, was ich, der ein halbes Jahrhundert den Globus nicht nur intensiv bereiste, sondern auch auf fremden Kontinenten unter Menschen anderer Kulturen lebte, konkret zum Weltgeschehen zu sagen hat.

Meine Antwort ist sonnenklar: Wir, die Menschen, vermehren uns zu Tode. Da nützt es auch nichts, dass die meisten Industriestaaten, Deutschland mit an vorderster Front, auf Grund negativer Geburtenrate, langsam aussterben. Da nützt auch mein kleiner bescheidener Beitrag von 9 Kindern nicht, um zukünftige Renten zu sichern. Denn in fast allen "Drittwelt"-Ländern bringen viele Frauen weiterhin Kinder im Dutzend zur Welt. Daran sind, und ich spreche von der Gegenwart und nicht von vergangenen Zeiten, meines Erachtens nicht nur der Papst und konservative religiöse Einpeitscher diverser Religionen schuld, sondern in erster Linie jene Politiker, die nicht alles, was mit Religion zu tun hat, aus der Politik entfernen und stattdessen die reine Vernunft zum Wohle zukünftiger Generationen walten lassen.

Wenn wir wissenschaftlich vorgehen und uns vor Augen halten, dass die Weltbevölkerung, die in meinen Jugendjahren unter drei Milliarden lag, jetzt bald die sieben Milliarden überschritten hat, dann wird klar, dass unser Globus die "Plage Mensch" nie und nimmer verkraften kann. Der Globus kann, wenn man auf gefährliche Genmanipulationen und die chemische Keule verzichtet, Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum zugesteht, heile Meere und gesunde Luft will, nachhaltig nicht einmal eine Milliarde Menschen verkraften. Wer behauptet, es könne so wie jetzt weitergehen, wir würden auch acht, neun, zwölf Milliarden Menschen verkraften, der ist meiner Ansicht nach entweder strohdumm oder hat verbrecherische Absichten. Letzteres unterstelle ich einigen, von der Wirtschaft manipulierten Politikern und diversen turbokapitalistischen Großkonzernen, die Bevölkerungswachstum brauchen, um ihre Umsätze und damit die Konzerngewinne zu erhöhen. Wäre ich Diktator, würden solche Individuen in Straflagern landen.

Ich fordere die Politiker auf, weltweit für die Einkindfamilie einzutreten, notfalls mit äußerstem Nachdruck. Einkindfamilie bedeutet nicht, dass jede Familie nur ein Kind haben darf. Da es viele Familien geben wird, die keine Kinder wollen, kann man ja in bestimmten Fällen auch Mehrkindfamilien tolerieren. Ich plädiere jedenfalls nicht für gewaltsame Aktionen wie Zwangssterilisierung, aber für massive weltweite Ausweitung von Familienplanung und Bereitstellung aller notwendigen Verhütungsmittel. Auch dann wenn Papst und klerikale Radikale dies weiterhin mit allen Mitteln verhindern wollen. Wenn wir die Natur, vor der Plage Mensch, nicht beschützen können, müssen wir auf eine Art Wunder hoffen. Vielleicht schafft es Mutter Erde von allein, vielleicht kommt die große Rache für den totalen Vernichtungskrieg der Menschen gegen die Natur ganz heimlich und lautlos in Form von tödlichen Bakterien und Viren. Vorboten gab es genug; Ebola, Sars, Rinderseuche, neue tödliche Grippearten etc. kündigen wohl eine Art Endzeit für den größten Feind unserer Mutter Erde, dem Menschen, mit seinem nicht mehr zeitgerechten Vermehrungswahnsinn an.

Manche meiner Freunde prangern an, dass ein Mensch, der viele eigene Kinder hat, und dem vermutlich zu Unrecht unterstellt wird, dass er zusätzlich überall auf dem Globus uneheliche Kinder hätte, die Einkindfamilie fordert. Darin sehe ich keinerlei Widerspruch, denn genauso gut darf ja ein nikotinsüchtiger Alkoholiker seine Mitmenschen auffordern, das Rauchen einzustellen und Alkohol nur moderat zu konsumieren. Ich erinnere mich gut, wie ich, Weinglas in der Hand, Pfeife im Mund, meine Kinder aus erster Ehe immer wieder eindringlich aufforderte, nie mit der Raucherei zu beginnen, sowie Körper und Geist nicht mit Alkohol zu ruinieren. Daran haben sie sich gehalten, ich dagegen rauche immer noch mein Pfeifchen und trinke kräftig, zumindest bei den Mahlzeiten. Angenehm empfinde ich es andererseits, wenn Menschen die von meinen vielen Kindern hören, mir die Hand schütteln und sich bedanken, dass ich damit zur Sicherung zukünftiger deutscher Renten beigetragen habe. Gerade in der letzten Zeit nehmen diese positiven Stimmen zu, vielleicht ist es die zunehmende Angst vor Altersarmut.

2011, Reise zurück in meine frühesten Kindheitstage

Obwohl ich nun schon 71 Jahre alt bin, wurde ich im Januar 2010 erneut glücklicher Vater eines Töchterchens namens Andrea. Die älteren Geschwister Leo und Elea sind nun im "Frage"-Alter. "Papa, wo bist du auf die Welt gekommen?" usw. Deshalb bin ich nun kurz entschlossen in meine eigentliche böhmische Heimat gefahren. Dort habe ich ihnen mein Geburtshaus in Leitmeritz an der Elbe gezeigt und dann natürlich das Schloss Skalsko, das nordöstlich von Prag liegt. Das Schloss Skalsko ist zwar nicht der Stammsitz der Stummers, aber ich verbrachte dort meine entscheidenden Kindheitsjahre von 1943 bis 45. Der Traum eines Schlosslebens, inmitten der elterlichen Güter endete jäh mit der völkerrechtswidrigen Vertreibung von über drei Millionen Sudeten-Deutschen aus ihrer angestammten Heimat. Nur wenige Tage nach Kriegsende begann die Tragödie mit langen Fußmärschen und Fahrten in teils offenen Kohlewaggons. Übers Erzgebirge, durch das total zerbombte Dresden, weiter bis Oberfranken, wo wir in der schönen mittelalterlichen Stadt Kronach die nächsten 11 Nachkriegsjahre verbrachten. Die ersten Hungerjahre waren schrecklich.

 

 

Fotos: Oben: Schloss Skalsko. Mitte: von links nach rechts. Erstes Bild zeigt vier Stummer-Brüder im Jahre 1867, wieder von links nach rechts: Eduard Ritter von Stummer mit Ehefrau Maria Edle von Graf, dann meinen Urgrossvater, Gerichtspräsident Ignaz Stummer mit Gattin Josefine Ludak, daneben den Stadthaltereirat Rudolf Stummer, damals noch ledig und rechts den Vice Stadthalter von Böhmen und Mähren und späteren österreichischen Innenminister (1899 bis 1900) Josef Stummer mit seiner Ehefrau Maria Duschek. Neben diesem Foto das Stummer-Wappen aus dem Adelsdiplom meiner (Ur)-Grossonkels Eduard Ritter von Stummer, Foto daneben der Sohn des Ignaz Stummer, Ritter August von Stummer mit Gattin Wilhelmine und Foto ganz rechts wieder Wilhelmine auch "Baronin" Minna von Stummer genannt (links im Foto) und meine Mutter(rechts) auf einem Schlossbalkon. Unten: Mein Grossvater Oberst Richard (von) Stummer, Bruder des Ritters August von Stummer, nebst Gattin Anna Titta aus Leitmeritz. Mein Vater Leo Stummer, daneben Foto meiner Mutter Maria Tacheci mit Bruder und dem "Hauslamm". Ganz rechts Martin als Baby in einer noch heilen böhmischen Kinderwelt.

Im Schloss Skalsko lebte noch meine Grosstante Wilhelmine von Stummer. Mich, obwohl nicht adelig, nannte man den "kleinen Baron". Das Schloss sollte besser als herrschaftliches Gut, oder Ritter-Gut bezeichnet werden, denn der Gutsbetrieb war ja seine eigentliche Funktion. Ich war meines Wissens neben meinem Schwesterchen das einzige deutschsprachige Kind sowohl im Schloss als auch im Dorf Skalsko. Schnell lernte ich tschechisch, denn sonst hätte ich mich kaum verständigen können. Meine Mutter war ja die Tochter des tschechischen Bauernsohnes Franz Tacheci aus dem kleinen Ort Horny Pocaply an der Elbe, der sich später zum technischen Direktor der Lederfabrik in Leitmeritz hocharbeitete. Tschechisch war die Muttersprache ihres Herzens, Deutsch die Muttersprache ihrer persönlichen Lebensumstände. Die böhmische Küche, wie Knödel mit Gans und sonstigen Köstlichkeiten, esse ich auch heute noch tausend mal lieber, als die Speisen der Kartoffel-Liga. Knödel ja, Kartoffeln nein, das hat vielleicht auch tiefenpsychologische Gründe.

Schloss Skalsko war einst der Sommersitz und Gutshof des Servitenordens mit Sitz in Prag und gelangte dann, nach mehrfachem Besitzerwechsel an Wilhelmine und meinen Großonkel August Ritter von Stummer und schlussendlich an unseren direkten Familienzweig. Zum Schloss Skalsko gehörten auch Besitztümer in Kluky und Kovanec und herrliche Wälder, die sich bis hinunter ins tiefe Tal ziehen. Dort liegt nicht nur die zum Schloss gehörende Mühle, sondern auch der kleine Bahnhof Skalsko. Statt alter Dampfloks tuckert nun mehrmals täglich ein Schienenbus von Melnik über Skalsko bis Jungbunzlau und zurück. Auf dieser Reise mit meinen Kindern schien die Zeit still zu stehen, alles erinnerte mich an meine früheste Kindheit als "kleiner Baron Martin" vor fast siebzig Jahren. Statt wie damals mit einer Kutsche aus Schloss Skalsko abgeholt zu werden, wanderten wir durch den alten Mischwald das steile Sträßchen bis zum Ort Skalsko hinauf. Dort stand es, das Schloss meiner Kindheit. Von dort unternahm ich mit drei, vier und fünf Jahren, ohne Wissen meiner Mutter "Abenteuerreisen" in den geheimnisvollen Wald. Der sagenumwobene Yeti im Himalaya, der Rübezahl im Erzgebirge und all die anderen Märchengestalten konnten damals nicht mit meinem Wassermann mithalten. Gleich zwischen Schloss und dem mächtigen Wald lag der Schlossweiher, den es heute leider nicht mehr gibt. Seine sumpfigen Ufer erkundete ich, sah den Enten zu und wollte diesen einzigartigen böhmischen Wassermann erspähen, alles zum Schrecken meiner Mutter.

Was bis heute den Bewohnern des Schlosses schaurige Gewissheit ist, hängt mit dem Tod des Priors "Pacifikus" des einstigen Klosters (Schloss Skalsko) zusammen. Seine Mitbrüder klagten ihn wegen finanzieller Unredlichkeiten an, er erhängte sich an einer Linde, an deren Stamm man dann ein Kreuz anbrachte, damit seine Seele Ruhe gäbe. Denn als seine Ordens-Brüder den Sarg nach Prag bringen wollten, ist er in der Nähe der Linde mehrmals vom Wagen gefallen und Pacifikus erschien später als Geist und trieb sein Unwesen. Meine Mutter erzählte mir davon und berichtete dass er oft am Dachfirst des Schlosses gesichtet wurde. Zurzeit, so berichtete man mir, würden der Schuldirektor, Studenten und Arbeiter schreckhafte Begegnungen mit Pacifikus haben.

 

Fotos: Obere Reihe links Bahnhof Skalsko; Mitte: der Wald beim Schloss; Rechts: der verfallener Seitenflügel der einst von meiner Tante, der Baronin Minna von Stummer bewohnt wurde. Untere Reihe: meine drei jüngsten Kinder Elea, Leo und rechts Andrea.

Jetzt gehört Schloss Skalsko auf Grund der 1945 erfolgten Enteignung, der tschechischen Regierung, ist denkmalgeschützt und neuerdings Sitz einer Filmakademie und einer Internatsschule. Bei unserem Besuch in Skalsko wurden wir gut bewirtet (unsere Kinder plantschten sogleich im Kinderswimmingpool des Schlosses) und getröstet: Eine komplette Dachreparatur in so einem Schloss ist privat gar nicht mehr finanzierbar. "Denken Sie nur an die vielen denkmalgeschützten Schlösser in Europa, die nun von den verzweifelten Besitzern zum Nominalpreis von einem Euro zum Verkauf angeboten werden." Ein anderer Freund sagte mir: "Sei froh, dass du vertrieben wurdest, andernfalls hättest du nie so ein hochinteressantes und abenteuerliches Leben führen können."

Das stimmt, denn nun kann ich aus endlosen Erinnerungen schöpfen. Besonders auf eine will ich nicht verzichten. Einst, als ich noch als König über Nagarao herrschte, saß ich nächtens an seinen Gestaden. Das Meer lag still im Schimmer des Mondlichtes vor mir. Sanft plätscherten die Wellen und rollten am feinen Sandstrand aus. Weiß leuchtete er, denn es war eine Vollmondnacht. Über dem Meer wölbte sich der prächtige tropische Sternenhimmel. Es war eine Nacht der Sternschnuppen und ich labte mich am beruhigenden Rotwein. Nicht alles im Leben eines Inselkönigs ist paradiesisch. Die täglichen Probleme verfolgten mich bis in die Stunden der Nacht. Wusste ich doch, dass nichts im Menschenleben von Dauer und Bestand ist. In dieser Nacht kam mir ein Gleichnis in den Sinn. Es stammt aus dem rund viertausend Jahre alten Gilgamesh-Epos. Aus welcher der übersetzten Versionen, weiss ich nicht mehr. Ich gab den mir wichtig erscheinenden Zeilen einen neuen Anfang und ein neues Ende und veröffentlichte alles 2001 in meinem Büchlein "Journey to the next dimension". Eine der zentralen Aussagen, die alptraumhaften menschlichen Urängste, die wir permanent verdrängen, stoßen heutzutage in unseren Wohlsstandsgesellschaften meist auf Unverständnis. So gut wie alle meine Gesprächspartner behaupten von sich, statt Ängste fast ausschliesslich Glücksgefühle zu haben; zumindest solange sie kein Schicksalsschlag trifft, oder sie nach langwieriger Krankheit einen qualvollen Tod vor Augen haben.

Das Gleichnis

Da Du in dunkler Nacht mich rufest

um "letzte Dinge" zu ergründen,

will ich mit einem Gleichnis

Dir die Pforte öffnen.

O Mensch, das Leben ist ein Traum,

ein langer, langer Traum,

ein Alptraum sondergleichen

und dennoch nur ein Traum.

So wie der Schmetterling

entschlüpft der Raupe

wirst Du O Suchender dereinst erwachen.

Im Tode wirst Du neu erstehen,

wird neues Leben Dir gegeben,

in unbeschwerter Freiheit wirst Du wandeln.

Drum jammere nicht.

Denk an den Lohn

den Du empfangen wirst

nach endlos langem Leiden.

Geniess Dein Erdenglück,

so kurz er währen mag.

Umfass dein Weib in freudiger Lust

und lege schützend deine Hände

auf die geliebten Kinder.

Zermürbe nicht Dein Haupt

in langen Zweifeln ohne Ende.

Das Leben das du suchest

kannst Du in deiner Welt nicht finden.

Als einst Dein Gott die Menschen schuf,

da teilte er den Tod der Menschheit zu,

das Leben aber behielt er nur für sich.

Dein bitterer Tod ist wahrlich unausweichlich.

Nur die Libelle entschlüpft aus dem Kokon,

nur sie erschaut aufs neue der Sonne Antlitz.

Dein Schicksalsgott hält Rat,

so Tod wie Leben ist in seiner Hand.

Doch bleibt verhüllt, wann deine Tage enden.

Sei frei von Furcht, verzage nicht,

auch Du wirst neues Licht erblicken.

MARTIN I VON NAGARAO

 

2012, Manifest und philosophische Reflexionen

Mit großer Betrübnis erkenne ich, dass die Menschen nicht aufhören, unseren Heimatplaneten Erde zu zerstören. Sie führen weiterhin einen erbarmungslosen Krieg gegen die Natur. Es muss unser vorrangiges Ziel sein, unseren Planeten aus dem tödlichen Würgegriff des Menschen zu befreien. Wir dürfen nicht mehr zusehen, wie Tag für Tag Pflanzen- und Tierarten ausgerottet werden, Naturareale verschwinden, genmanipulierte Pflanzen das natürliche Gleichgewicht gefährden, und durch die Profitgier multinationaler Konzerne die Masse der Menschen versklavt wird. Wenn es nicht gelingt, und dies geht wohl nur durch eine revolutionäre Aufbruchsstimmung, eine globale Widerstandsbewegung gegen die Entmündigung verantwortungsbewusster Bürger durch korrupte, von Wirtschaftskonzernen gelenkte Politik, auf die Beine zu bringen, dann wäre es besser, alternativ unsere "Schicksalsgötter" anzuflehen, die Menschheit auf ein Minimum zu dezimieren, bevor dieses stetig wachsende Milliardenheer das "Raumschiff Erde" zum Totalkollaps führt.

Was meine ich mit "Schicksalsgöttern"? Ich bezeichne damit, in Anlehnung an viele Vordenker des Altertums, die treibende Kraft jener anderen Seinsebene, in die wir eingehen werden und die unser Geschick, nach meiner Meinung, durch die Rückkoppelung via Synapsenspalt lenkt. Sind es wirklich ein oder mehrere gottähnliche Individuen? Oder ist es vielleicht ein Supergehirn, eine Art denkender Computer? In meiner Vorstellung handelt es sich um eine nicht vorstellbare, nicht beschreibbare und somit unerklärbare Kraft, über die ich dennoch mehr wissen möchte und über die ich mir weiterhin Gedanken mache. So wie das Embryo in der mütterlichen Fruchtblase nicht das Draussen versteht, so können wir als Mensch, eingeschlossen im Universum, in der Zeitspanne von Geburt bis zum Tode, auch nicht die kommende Realitätsebene oder Dimension jenseits unserer irdischen Realität, begreifen. Aber das Embryo im Mutterleibe fühlt, hört und nimmt unwissentlich an der Außenwelt teil. Genauso ergeht es uns in unserer bewussten Lebensspanne, denn wir können Impulse aus jener Welt, in die wir nach dem physischen Tod hinein "geboren" werden, empfangen. Dazu müssen wir allzeit, im psychischen Sinn, empfangsbereit sein.

Ich bin überzeugt, dass alle Lebensformen, vom einfachsten Einzeller bis hin zum Menschen, seit Anbeginn eine Einheit sind. Diese Einheit ist mit der nächsten Dimension bzw. Realitätsebene komplett vernetzt. Nichts, aber auch gar nichts, kein einziger Augenblick, kein Wimpernschlag, geht im Universum verloren. Unser gesamtes Leben, unser inneres Ich, was immer in unserer Dimension abläuft, ist und wird in der nächsten für immer gespeichert. Alles, was je geschah, ist unvergänglich und wird Teil des "großen Ganzen", des Über-Universums. Das Über-Universum kann natürlich auch als ein "verschlossener und unzugänglicher" Bereich unseres Universums verstanden werden, weil er sich eben unserer Realitätsebene bzw. Dimension entzieht.

Die Wünsche eines Träumers: Als Kind und Jugendlicher war ich immer ein friedfertiger, stiller, introvertierter Träumer, der im Geiste durch unsere Welt, die Zeit und das Universum reiste. Nun bin ich alt und habe lernen müssen, alle Sanftheit abzulegen, um den Lebenskampf zu bestehen. Trotz meines abenteuerlichen und ereignisreichen Lebens hänge ich weiterhin den alten Träumen nach. Ich wünschte, ich könnte noch in diesem Leben, und nicht erst in einer kommenden Dimension, durch Zeit und Raum unbegrenzt herumziehen, ganz nach eigenem Belieben. Denn dies, und natürlich das Wissen um die "letzten Dinge" (Seinsfrage) wären mir wichtiger, als Macht oder Reichtum. Ich bin ein Prediger der Bescheidenheit und mir sind die Vergeudung der Ressourcen unseres Planeten für mit Absicht auf raschen Verschleiss fabrizierte Konsumgüter, die Exzesse der Modeindustrie, die Wegwerfmentalität bei Lebensmitteln und die Verbrechen dieser Industrie (Raffinierter Zucker gehört durch Stevia ersetzt, für mich ist Haushaltszucker mörderisches Gift), ja der ganze Wahn auf Wachstum ohne Grenzen, sowie die Zerstörung des Weltklimas, zuwider. Auch wenn ich mich nicht selbst daran gehalten habe, so predige ich, durch Kinderverzicht als Spezie zu schrumpfen, in Bescheidenheit die Schönheiten der Natur zu preisen und mit ihr im friedlichen Einklang zu leben. Wir müssen, nicht nur den menschlichen, sondern auch allen tierischen und pflanzlichen Lebensformen absoluten Respekt entgegenbringen. So wie gehabt weitermachen, führt uns in eine Sackgasse und schlussendlich in einen apokalyptischen Abyssus ohne Wiederkehr.

Mit meinen Warnungen stehe ich nicht allein. Viele verantwortungsbewusste Menschen fordern ein Umdenken. Ich erinnere nur an den wunderbaren, 1959 gedrehten Film "Serengeti darf nicht sterben". Bei den Dreharbeiten verunglückte Michael, der Sohn von Prof. Bernhard Grzimek tödlich. In diesem Film wird auch über den rasanten globalen Bevölkerungsanstieg gesprochen und gewarnt, dass die Natur daran irreparablen Schaden erleidet. Das ist es, was auch ich seit langem predige und mit der Forderung verknüpfe, kämpferisch, mit mutigen Taten in die Schlacht um Mutter Erde zu ziehen.

Was also ist mein Vermächtnis?

I. Die Menschheit wird nur überleben, wenn sie sich gesundschrumpft. Ich fordere einen Bevölkerungsrückgang auf etwa eine Milliarde Menschen.

II. Die Menschen in wohlhabenden Gesellschaften müssen zu einer neuen Bescheidenheit zurückfinden. Ich fordere den Verzicht auf alle unnötigen Kosumprodukte.

III. Viele Menschen bringen sich weiterhin aus Glaubensangelegenheiten in Kriegen und gewaltsamen Konflikten um. Ich fordere hingegen die Unterwerfung unter demokratische, freiheitliche und soziale Gesetze. Diese dürfen nicht zulassen, dass Lehren von Göttern und Propheten über sie gestellt werden und Frauen immer noch in vielen Teilen der Welt, oft in widerwärtigster Weise, Benachteiligungen und Unterdrückungen erleiden müssen.

Ich wünschte mir, dass diese Ziele von verantwortungsbewussten Politikern aufgegriffen werden...zum Wohle von uns allen.

 

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